Neugestaltung des Samstagunterrichts in Bonn
Am 25. Oktober 1934 wird die Gestaltung des Samstagunterrichts für die Nicht-HJ-Mitglieder durch den Bonner Kreisschulrat noch einmal genauer festgelegt. Demnach müssen zwei Stunden der „Übermittlung von nationalsozialistischem Gedankengut“ dienen, eine Stunde dem Werkunterricht (Jungen) bzw. der „Nadelarbeit“ (Mädchen) sowie eine weitere den „Leibesübungen“. Letzteres erhält nun eine deutliche vormilitärische Ausrichtung, denn es zählen nicht nur Ordnungsübungen dazu (neben Leichtathletik, Turnen und Schwimmen) sondern auch „Vorbereitungsübungen für den Geländesport“.
Was den „nationalpolitischen Unterricht“ angeht, wird für die Bonner Schulen am 24. Oktober 1934 gemäß einem ministeriellen Erlass folgender Stoff festgelegt, der wiederum deutlich zeigt, dass die ideologische Ausrichtung der Schule der in der HJ um nichts nachstand:
„1.Die nationalsozialistische Bewegung
Das 3. Reich. Wie es zu dem Namen kommt. Geschichtliches. – Wichtige Tatsachen aus der Geschichte der Bewegung
2. Über die wesentlichsten Ziele der Bewegung: Ein starkes Reich, Deutsches Recht und deutsche Art und Sitte, Erhaltung und Pflege reinen Volkstums. – Gleichberechtigung Deutschlands mit andern Völkern, die Friedensverträge, Deutschland und der Völkerbund. – Unsere Kolonien, Sinn, Notwendigkeit. – Gemeinnutz geht vor Eigennutz, Pflichten des Volksgenossen und Staatsbürgers. – Wesentliche Einrichtungen, die aus der Bewegung hervorgingen und ihre Arbeit: Die HJ, der BDM und deren Vorstufen, die SA und SS, die NSV. Symbole der Bewegung: Fahne, Hakenkreuz und Lied.
3. Der Boden
a)Wir sind alle abhängig vom Boden in Nahrung, Kleidung und Wohnung, also in unserer leiblichen Existenz, aber auch in geisteigen Dingen bis zu einem gewissen Grade (Hier eingehend und eng heimatbezogen verweilen).
b) Der Baue als Hauptbearbeiter des Bodens. – Geschichtliches zur Stellung des Bauern. – Seine Aufgaben im Volke. – Das Reichserbhofgesetz. – Der Kleinbauer und Gärtner. – Dessen Aufgaben, besonders in unserer Heimat.
c) Unsere Pflicht gegen den Bauern. – Stadt und Land. Wechselbeziehungen und Folgen für die gegenseitige Einstellung.
4. Volk und Rasse
a)Die Familie. Welche Bedeutung sie für uns und für das Volk hat. Wie der Staat sie schützt und fördert, ich das Leben zu erleichtern sucht. – Was wir von unseren Eltern ‚erben‘. Familienkunde (praktisch!).
b) Volk. Was uns zum Volk bindet: Sprache, Sitte, Denkweise, gleiches Schicksal, aber auch gleiche Abstammung und somit gleiches Blut. Pflichten, die sich daraus ergeben (vgl. oben).
c) Stämme im Volk. Ihre Eigenarten an Beispielen in Mundart du Wesen, Beispiele aus der Literatur. Stämme und Landschaften, Beziehungen zwischen beiden. – Worin also die große Aufgabe im deutschen Volk besteht: Einigung über Stammesart und –grenze hinweg.
d) Rassen im Volk Rassenfremde im Volk. Juden. Pflichten. Vor welchen Fehlern man sich hüten muss. Wir und die fremden Rassen.
e) Stände im Volk, ihre Aufgaben, ihr Zusammenwirken: Vom Arbeiter und der Sorge für ihn. Wertung der Arbeit und Arbeitsdienst. Arbeitslosigkeit. – Handwerkerstand und Kaufmannsstand in ihren Aufgaben und ihrer Bedeutung. Nährstand, Lehrstand, Wehrstand, Beamtenstand.
f) Unser Volk an Zahl: Rückgang, Vergleiche mit Nachbarvölkern, Rechenaufgaben dazu, Folgen des Rückganges.
Männer der Bewegung.
Aus dem Leben des Führers und Kanzlers und anderer Männer.
Wesentlich sind nicht Daten, sondern Darlegungen wie Lebenserfahrungen (etwa das Leben des Führers) gestaltet haben.
Zur Behandlung: Kleine Einheiten. Konkret an Tatsachen, Zeitgeschehen und Gedenktage anschließen. Nicht notwendig systematisch. Auch schriftliche und zeichnerische Beschäftigung.“