Stundenplanänderung wegen Staatsjugendtag
Der Bonner Kreisschulrat ordnet in einem Schreiben an die Schulleiter am 16. August 1934 wegen der Einführung des Staatsjugendtages Änderungen der Stundenpläne in den Volksschulen an, da die bisherigen Stunden nun auf fünf statt wie bisher auf sechs Wochentage verteilt werden müssen. Als Stundenzahl für den gemeinsamen Unterricht von HJ- und Nicht-HJ-Angehörigen werden 28 Stunden festgesetzt, die sich folgendermaßen zusammensetzen: Religion 4, Deutsch 7, Rechnen 4, Raumlehre 1, Geschichte 2, Erdkunde 2, Naturkunde 2, Zeichnen 2, Musik 2, Turnen 2. Die Jungen des 5. Schuljahres haben keine Raumlehre und statt dessen eine Stunde mehr Deutsch; die Mädchen des 5. bis 8. Schuljahres haben keine Raumlehre, sieben Stunden Deutsch, eine Stunde Zeichnen und zwei Stunden Nadelarbeit.
Da der Unterricht nicht auf die Vormittage verteilt werden kann, wird für die oberen Jahrgänge Nachmittagsunterricht eingeführt. Damit gibt es Montag, Dienstag und Donnerstag vier Stunden Vormittagsunterricht und zwei Stunden Nachmittagsunterricht. Mittwochs und freitags ist Unterricht von 8 bis 13 Uhr.
Für den Samstagsunterricht der Nicht-HJ-Mitglieder werden zwei Stunden Unterricht festgesetzt, bei denen die Mädchen mit „Nadelarbeit“, die täglich im Haushalt vorkommt, beschäftigt werden sollen. Die letzte Stunde soll mit „Leibesübungen“ ausgefüllt werden. Am Nachmittag ist Spielnachmittag.
Die zu erwartenden Schwierigkeiten bei den neuen Regelungen benennt der Bonner Kreisschulrat in einem Schreiben an den Kölner Regierungspräsidenten am 30. August 1934:
„Ob auch in der Stadt wie auf dem Lande […] Anträge wegen der Inanspruchnahme der Kinder an den Samstagnachmittagen kommen, kann man noch nicht sagen, zu erwarten ist es.
Wegen der Zusammenlegung des Spielnachmittags auf einen Wochentag (Samstag) reichen die Spielplätze der Stadt nur unter Beschränkungen für die vielen Klassen aus. Es ist nicht mehr möglich, an Regentagen jeder Klasse wenigstens für eine Stunde eine Halle zur Verfügung zu stellen, da soviel Hallen nicht vorhanden sind. Der Spielnachmittag wird also bei schlechtem Wetter öfter ausfallen müssen.
Wegen der Zusammendrängung des Unterrichtes auf fünf Tage wird auch die Teilung der oberen Mädchenklassen in Nadelarbeit (wenn über 30 Schülerinnen da sind, müssen zwei Abteilungen gebildet werden) auf technische Schwierigkeiten stoßen.“