Kaplan aus Stokenbrock wirbt für katholische Jugend
Am 11. Februar 1934 lädt Vikar Westerbarkei [auch: Westerbarkey] aus Stukenbrock die diesjährigen Kommunionkinder und deren Müttern zu einem Treffen im Jugendhaus ein, bei dem er zunächst eine Unterrichtsstunde hält, um zu demonstrieren, wie er die Kinder erzieht, und anschließend einen Vortrag hält, bei dem er betont, wie wichtig es sei, diesen Unterricht auch weiter zu vertiefen. Die Mütter sollten ihm die Kinder auch nach der Kommunion weiterhin schicken. Sie bräuchten nicht nur während der Schuljahre eine geistliche Führung, sondern bis zu ihrer Heirat mit etwa 20 oder 25 Jahren.
Zum Schluss erzählt Westerbarkei noch von einem Ball mit den „Jungfrauen und Jünglingen“ der Gemeinde. Dieser Ball habe einen „herrlichen Verlauf“ genommen. Zum Schluss hätte er mit allen ein „Ave Maria“ gebetet. Das habe auf alle Eindruck gemacht. Für den Nachhauseweg sei ihm da „nicht mehr bange“ gewesen. Es hätte ruhig ein Junge mit dem Mädel mitgehen können. Bei einem Krieger-, Schützen- oder Feuerwehrfest hätte der Vorschlag, noch gemeinschaftlich ein Gebet zu sprechen „Hohngelächter“ ausgelöst; hier sei jedoch keine Miene verzogen worden.
Über das Treffen, an dem etwa 30 bis 40 Mütter nebst den Kindern teilgenommen haben, fertigt der örtliche Gendarmerie-Wachtmeister offenbar aus mündlichen Quellen einen Bericht an, in dem er die Betätigung Westerbarkeis als „illegal“ wertet. Der Vortrag habe seiner Einschätzung nach die Wirkung, dass die Eltern dem Vikar weiterhin ihre Kinder schicken würden. „Als Seelsorger und in religiöser Hinsicht darf er ja seine Pflicht tun, aber er vergisst ganz die Kinder unserem Führer und den nationalsozialistischen Grundgesetzen zuzuführen. Fast die gesamte Jugend ist hier durch die Jünglings-, Jungmänner- und Jungfrauenvereine erfasst. Ich muss immer wieder betonen, dass es der Vikar meisterhaft versteht, Jung und Alt in seinem Banne zu halten. So belustigt er z.B. die Jugend mit Tanzlustbarkeiten, Bällen und Theaterstücken im Jugendheim. Da der Jugend derartige Sachen gefallen und sie von zu Hause aus noch hingeschickt werden, fühlen sie sich dort hingezogen. Vor drei Wochen wurde hier eine Hitlerjugend gegründet, wenn diese Fuß fassen und wachsen soll, wie in anderen Gegenden, so muss man sich dieser Jungen mit ganz besonderer Liebe und Sorgfalt annehmen.“