Firmen sollen bevorzugt BDM-Angehörige einstellen
Die Referentin für Sozialarbeit im Gau Minden-Ravensberg, Anni Behrmann, fordert die Untergausozialreferentinnen am 13. Januar 1934 dazu auf, mit den Direktoren der größeren Werke innerhalb des Untergaus Kontakt aufzunehmen und darauf hinzuwirken, dass bei Neueinstellungen von Lehrlingen und Jungarbeiterinnen BDM-Angehörige bevorzugt werden. Dazu fordert sie bis zum 25. Januar 1934 einen Bericht an.
Dazu teilt die Sozialreferentin der Gruppe IV, Horn i/Lippe am 31. Januar 1934 mit, dass sich die Sperrholzfabrik Gebr. Künnemeyer in Horn und die Zigarettenfabrik Heibrock K.G. in Horn bereit erklärt hätten, bei Einstellungen zuerst den BDM zu berücksichtigen.
Die Ringsozialreferentin für Detmold, Paula Brinkmann, berichtet am 1. Februar 1934, dass sie am 30. und 31. Januar 1934 in den Fabriken und größeren Geschäften in Detmold vorgesprochen habe. Man habe überall freundlich mit ihr verhandelt, nachdem fast jedesmal zunächst danach gefragt worden sei, ob sie Geld wolle.
In einem Betrieb habe man angemerkt, warum man den BDM bevorzugen solle, wenn doch alle gleich sein wollten. Sie habe dies mit Hinweis darauf widerlegt, dass der BDM „doch die einzige von Adolf Hitler anerkannte Organisation sei und dass schließlich all die Mädels, die noch nicht bei uns sind, kommen sollen und bei uns sehen und lernen, wie wir im neuen Staat wirken und leben wollen“.
Gespräche führte sie mit der Bauspar-Union, in der wegen einer anvisierten Vergrößerung der Kasse Arbeitsplätze im Büro in Aussicht gestellt wurden, mit der Lampenfabrik Theodor Müller & Co, mit der Möbelfabrik Ernst Hilder & Co, der Keksfabrik Pecher, den Warenhäusern Kesting, Bauer und Wiese sowie dem Kaufhaus Sonntag. Zudem mit der Wäschefabrik Dornbusch, der Leinenweberei Weber & Co, der Zwirnfabrik Beneklberg in Oerlinghausen, den Firmen H. und R. Essen-wagener, pott und Gebr. Schlingmann in Lemgo, Büngener, Reiche & Co und Wilhelmi in Lage, Leistenring, Quest & Co, Junker u. Kölling, Küsters Celluloidfabrik, Küstermann & Behrmann, Hart & Co, Meier & Co sowie Aug. Wulf in Schötmer. Alle versprachen, bei Neueinstellungen BDM-Angehörige zu bevorzugen. Nur die Firma Neugarten & Eichmann habe bemerkt, alle Arbeitskräfte durch das Arbeitsamt zu bekommen und erst immer diejenigen einzustellen, die schon einmal bei der Firma tätig gewesen seien.
Die Zusagen der übrigen Firmen sieht Brinkmann nicht nur durch geschäftliche Interessen begründet, sondern zugleich als politische Zustimmung: „Von meinem Besuch in den verschiedenen Betrieben bin ich sehr befriedigt. Ich hatte voll und ganz das Gefühl, dass mich die Geschäftsinhaber bzw. die Geschäftsführer nicht nur aus Geschäftsrücksichten so freundlich empfingen und Versprechungen machten, sondern auch mit wahrem Herzen in unseren Reihen stehen.“