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Ereignisse
1943
November

Der Sicherheitsdienst der SS berichtet

„Zur Durchführung der Bann- und Gebietssportfeste der Hitlerjugend 1943

1. Ein Überblick über Durchführung, Aufnahme und Auswirkung der Bann- und Gebietssportfeste der Hitlerjugend ergibt ein sehr verschiedenartiges Bild. Aus den zahlreich vorliegenden Berichten läßt sich klar erkennen, dass überall da, wo die Veranstaltungen gut vorbereitet waren, auch nach außen hin der Erfolg nicht versagt blieb und die Hitlerjugend bei der Bevölkerung an Ansehen gewonnen hat. Es wird in diesem Zusammenhang immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass die vorzügliche Haltung der marschierenden Jungen, die Exaktheit der von größeren Einheiten durchgeführten Freiübungen, Lauf- und Körperschule die Zuschauer sehr positiv beeindruckt habe. Weiter werden die Kundgebungen zu Ehren der Gefallenen und die würdige Ausschmückung der Kampffelder als Momente herausgestellt, die von der Bevölkerung als Zeichen der Zucht, der Ordnung und des Leistungswillens angesehen werden (München, Dresden, Stuttgart, Bayreuth, Wien).

2. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist der Leistungsstand der einzelnen Übungen gegenüber dem Vorjahr etwas abgesunken. Die Tatsache, dass Mannschaften aus Internatsschulen oder Wehrertüchtigungslagern wesentlich bessere Leistungen erzielten als die übrigen Jugendlichen, wird in den Berichten nicht nur auf die bessere Ausbildung und Vorbereitung, sondern vor allem auch auf die dort bessere Ernährung zurückgeführt (z. B. Saarbrücken). Nicht verstanden wurde in diesem Zusammenhang, wenn in der Presse durch Herausstellen guter Einzelleistungen der Versuch gemacht wurde, das Absinken der Leistungen im Ganzen zu beschönigen.

«Es ist doch keine Schande, wenn im 5. Kriegsjahr die sportlichen Leistungen nicht mehr auf der gleichen Höhe wie vor dem Kriege sind. Das könnte auch die Presse ungeschminkt darstellen.» (Berlin)

3. Die Beteiligung der Eltern und der übrigen Bevölkerung war sehr unterschiedlich. Zusammenfassend ergibt sich jedoch ein guter Durchschnitt, in vielen Gebieten sogar eine höhere Besucherzahl als bei den gleichen Veranstaltungen der Vorjahre.

«Die Bevölkerung zeigte reges Interesse. Bei den Veranstaltungen waren gegen 3.000 Zuschauer anwesend, eine Zahl, die für das hiesige Gebiet als sehr groß zu bezeichnen ist.» (Reichenberg)

«Im Stadion hatten sich fast 8.000 Zuschauer eingefunden, die den Wettkämpfen mit lebhaftem Interesse folgten.» (Ulm)

«Die Veranstaltungen waren durchweg gut besucht, besonders am Sonntag hatten sich außer den geladenen Ehrengästen eine beachtliche Zahl Zuschauer eingefunden, die den Darbietungen mit Interesse folgten.» (Hamburg)

Lediglich in der Ostmark wird übereinstimmend ein geringes Allgemeininteresse an den Veranstaltungen festgestellt.

«Unangenehm fiel auf, dass die Wiener-Neustädter Bevölkerung für dieses im großen Rahmen aufgezogene Sportfest ein äußerst geringes Interesse zeigte. Selbst die Angehörigen der Wettkämpfer waren nur zu einem geringen Teil anwesend.» (Wien)

«Der Besuch von Eltern und Erwachsenen ließ sehr zu wünschen übrig.» (Linz)

4. Rein fachlich wurde sowohl von Beteiligten als auch von Zuschauern in verschiedener Hinsicht Kritik geübt. Vor allem wurde betont, dass die Vorbereitungen in vielen Fällen unzureichend waren. Es genüge nicht, in der letzten Woche vor den Veranstaltungen ein- oder zweimal zu trainieren. Die Jugendlichen würden dann aus gesundem Ehrgeiz sich bei den Wettkämpfen selbst so stark einsetzen, dass gesundheitliche Schäden nicht ausgeschlossen seien. Wiederholt wird gemeldet, dass die Teilnehmer ohne jede Vorbereitung zu den Wettkämpfen gingen. Von Erwachsenen wird darauf hingewiesen, dass es die Hitlerjugend bei ihrer Dienstgestaltung ermöglichen müsse, dass eine regelmäßige Leibeserziehung im weitesten Sinne das ganze Jahr hindurch getrieben werde, so dass dann lediglich vor den Veranstaltungen eine besondere Steigerung noch erforderlich sei.

Über Unzulänglichkeiten bei den Kampfrichtern wird häufig berichtet, jedoch auch eindeutig betont, dass dies an dem durch den Krieg bedingten Mangel an Fachleuten liege und z. Zt. wohl kaum abgestellt werden könne. HJ-Kreise fordern eine verstärkte Ausbildung der Sportwarte.

5. Übereinstimmend wird in allen Berichten zu der Frage Stellung genommen, ob es richtig sei, dass die Bann- und Gebietssportfeste der Hitlerjugend zu einer in glänzendem Rahmen und auf Wirkung abgestellten Schauveranstaltung gestempelt würden. In dieser Tatsache komme der innere Widerspruch zwischen den nationalsozialistischen Forderungen nach einer wirklichen Leibeserziehung auf breitester Basis und dem bisher meist üblichen „Sportbetrieb“ zum Ausdruck. Erwachsene, die selbst seit langer Zeit Leibesübungen treiben, stellten hierzu fest, dass die Hitlerjugend durch derartige Veranstaltungen lediglich Formen übernommen habe, die von der früheren deutschen Turnerschaft, ja auch teilweise den politisch ausgerichteten Verbänden der Systemzeit, immer wieder verwendet worden seien. Neue Wege, von denen man in der Presse sehr oft spreche, seien dabei kaum zu erkennen. Besonders vermißt wurde die Ausprägung eines einheitlichen Stils. Mit dem Grundsatz „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ seien zwar die Zuschauer zu befriedigen, aber keine einheitliche Linie zu erreichen. Was an diesen Veranstaltungen den Zuschauer begeistert habe, sei gerade das, was fachlich und ideologisch falsch sei und was nicht zu einem „Volk in Leibesübungen“, sondern zu einer Zersplitterung führe. Von diesem Gesichtspunkt aus hätten deshalb die Bann- und Gebietssportfeste der Hitlerjugend nicht als Maßstab für die Höhe und Breite der Leibeserziehung und Wehrertüchtigung innerhalb der Hitlerjugend gewertet werden können.

«Um das vom Nationalsozialismus geforderte Ziel „Ein Volk in Leibesübungen“ zu erreichen, ist es notwendig, dass, an Stelle der Massenvorführungen und Einzelwettkämpfe, Wettkämpfe durchgeführt werden, zu denen die Einheiten als Mannschaften antreten müssen. In gleicher Weise müßten die tänzerischen und gymnastischen Übungsgruppen durch richtiggehende Körperschule und Tanzvorführungen ersetzt werden. Nur so hätte bei den Teilnehmern erlebnismäßig die Lebendigkeit und innere Verbundenheit entwickelt werden können, die von der schaumäßig herausgestellten mechanischen Übung zur wirklichen körperlichen Erziehung führt.» (München) «Da nur einige Wettkämpfe mit wenigen Teilnehmern stattgefunden haben, sind auch nur einige Spitzenkönner in Erscheinung getreten. Dies widerspricht dem Zweck der nationalsozialistischen Leibeserziehung.» (Saarbrücken)

«„Die Laufschule der 1.000 Jungen“ bot zwar ein schönes Bild für das Auge, hat aber vom Standpunkt der Leibeserziehung nichts bedeutet. Eine Durchführung von Wettkämpfen auf breiter mannschaftlicher Grundlage hätte überzeugen können, dass die Hitlerjugend sportlich etwas leisten kann und gezeigt, was sie bis jetzt gearbeitet hat.» (München)

Zusammenfassend hätten die Erfahrungen in dieser Richtung gezeigt, dass sich die nationalsozialistische Auffassung über die Leibeserziehung noch nicht überall durchgesetzt habe.“

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