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Ereignisse
1934
Dezember

Oberbannführer Fischer über die Jugendpresse

An der Universität Köln spricht am 14. Dezember 1934 der kommissarische Leiter der Abteilung P der Reichsjugendführung, Oberbannführer Erich Fischer, als früherer Hauptschriftleiter der „Fanfare“ über das Thema „Was nimmt die Jugend von der Tageszeitung und was bringt sie ihr?“ Die Einladung für den Vortrag erfolgte durch das Institut für Zeitungswissenschaft.

In seinem Vortrag führt Fischer aus, dass die Organisation niemals Selbstzweck sein dürfe, sie müsse mit „allen Mitteln der Propaganda das Ziel“ erreichen. Eines dieser Mittel sei das „gedruckte Wort“. Im „Kampf um die Jugend war die HJ gezwungen, der marxistischen Presse eine eigene entgegenzustellen“. Anfangs hätten sie Broschüren publiziert, dies hätte aber nur im Kampf gegen die Bündischen geholfen, nicht aber gegen die politisch organisierten Jugendorganisationen. Politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten seien am Tag nach der Kanzlerschaft Hitlers behoben gewesen: „In einem Wechsel von vierundzwanzig Stunden stand der Hitlerjugend eine Anzahl von Tageszeitungen zur Verfügung, die in ihren Spalten der Hitlerjugend für ihre Propagandaarbeit Raum gewähren wollten.“

Diese Situation hätte die zahlenmäßig schwache Presseorganisation jedoch zunächst überfordert. Außerdem musste die Ausrichtung und Themenauswahl „von Revolution auf Evolution“ umgestellt werden. Dies wurde mit Schulungskursen, Tagungen, Lehrgängen und Arbeitsbriefen erreicht. Der Aufbau der Presseorganisation sei auf allen Ebenen durchgeführt worden: Kameradschaft, Schar, Gefolgschaft, Unterbann, Bann, Gebiet, Reichsjugendführung.

Die Pressereferenten sollten nicht nur lernen, „in der Sprache der Jugend die wahren Probleme der Jugend“ aufzugreifen, sie sollten auch auf eine zukünftige zentrale Rolle für die Presse Deutschlands vorbereitet werden: „Für uns ist die Zeitung nicht das Sammelbecken von Sensationen, die an die niedrigsten Instinkte einer willenlosen Masse appellieren, für uns ist die Zeitung das Sprachrohr unseres Wollens, der Ausdruck unserer Haltung, die Fahne, welche die Richtung unseres Marsches bestimmt. Der Schriftleiter ist demnach nicht mehr der Pressemann im üblichen Sinne des Wortes, sonderm der Fahnenträger einer Gemeinschaft, einer Idee“
Die Auflagenstärke der von der HJ herausgegebenen Zeitungen und Zeitschriften wird von Fischer für Dezember 1934 auf 1,57 Millionen beziffert, auf die „Fanfare“ entfallen 255.000. Hinzu käme die Nutzung der Tagespresse.

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