"Das jugendverstehende Herz ist entscheidend"
"Wir singen - spielen - führen vor!" - Ein Werbeabend des Unterbanns II/239 in Altenessen", so die Schlagzeile der Essener Nationalzeitung über eine Veranstaltung am 6. November 1934, in deren Rahmen - mit Bezug auf die Goebbels-Rede vom 1. November - Oberbannführer Lindenburger sprach.
"Unter Trommel- und Fanfarenklängen zogen die Jungen und Mädel mit ihren Fahnen und Wimpeln in den Saal. Ein schneidiger Fanfarenmarsch bildete den Auftakt des Festes. Unterbannführer Adel Heisner entbot allen ein herzliches Willkommen. (...) Zuversichtlich und trutzig sangen dann die Jungen und Mädel das Lied 'Revolution', und packend und in retholischer [!] Vollendung trug Kurt Romberg Baldur von Schirachs 'Das neue Geschlecht' vor, gefolgt von dem Sprechchor "Ihr und wir". Während der anschließenden Pause wurde auf der Bühne ein lebendes Bild gezeigt, das unter dem Leitwort stand ‚Lagerleben der HJ'.
Der zweite Teil des Programms war ausgefüllt mit weiteren musikalischen und gesanglichen Darbietungen sowie Sprechchören. Aber auch die körperlichen Übungen kamen zu ihrem Rechte, und recht ansprechende Leistungen wurden bei den leichtbeschwingten Volkstänzen des BDM, bei der Körperschule, bei der Bodengymnastik und dem Pyramidenbau gezeigt. Inzwischen war auch Oberbannführer Lindenburger erschienen, der sich in klaren zielweisenden Ausführungen mit dem Wesen der HJ befasst. Mit Recht hob der Redner hervor, dass der Führer die Bewegung geschaffen habe, damit sie für alle Zukunft bestehen möge. Man stehe an der Schwelle einer neuen Zeit, und das müsse man berücksichtigen, wenn man die heutige Jugend verstehen wolle. (...)
Auf die Frage der Führerschaft in der Hitlerjugend übergehend, erklärte der Redner, dass Jugend nur von Jugend geführt werden könne, wobei in der Leitung nicht die Zahl der Jahre, sondern in jedem Falle das junge jugendverstehende Herz entscheidend sein müsse. Mit aller Schärfe wandte sich Oberbannführer Lindenburger gegen die mehr oder weniger versteckten Vorwürfe, die die Staatsjugend in einen Gegensatz zur Religion zu bringen versuchten. Der Führer kämpfe für sein Volk und deshalb auch für Gott. Auf de unerschütterlichen Boden des positiven Christentums stehend, bekenne man sich zu Gott, man wende sich aber ganz entschieden gegen diejenigen, die unter dem Deckmantel der Religion auf den Kanzeln der deutschen Jugend gegen deutsche Jugend hetzten."
Der Artikel schließt mit dem Satz: "Mit dem Treuegelöbnis, dem HJ-Lied und dem Horst-Wessel-Lied klang das Fest der Jugend aus."