In der Essener Nationalzeitung ist ein Bericht über die Rede Dr. Goebbels an die deutsche Jugend, die am 1. November 1934 über alle Rundfunksender ausgestrahlt wurde, zu finden. Die Rede sei von den Gefolgschaften der Hitlerjugend im Gemeinschaftsempfang angehört worden.
Einleitend habe Goebbels in seiner Rede erklärt, "dass es ihm eine besondere Freude sei, vor der Jugend zu sprechen, weil er sich selbst jung genug fühle, um wie zu Gleichgesinnten und Gleichgestellten zu sprechen." Dann habe er ausgeführt:
"Es ist in der Tat eine ganz neue Jugend, die hier emporwächst, uns ihr alle könnt stolz darauf sein, in ihren Reihen zu mitzumarschieren. Was sich von der Jugend vor allem der Vorkriegszeit unterscheidet und vor ihr auszeichnet, das ist
die Aufgewecktheit ihres Geistes,
die wache Spannkraft, die aus ihren Augen leuchtet,
die Tatbereitschaft, die in ihrem Marschtritt mitklingt,
die Tapferkeit, mit der sie das Leben nimmt, wie es ist,
die Offenheit ihres Charakters, die jeder Duckmäuserei abhold ist,
die Klarheit ihrer Auffassungen und die unbändige Unsentimentalität im Begreifen ihres deutschen Schicksales.
Diese Tugenden sind das Liebenswerte an euch, ihr Jungen und Mädel! Sie müssen in euren Reihen erhalten bleiben und sollen ewiges Erbgut einer sich stets erneuernden deutschen Jugend sein. (...) Denn eines dürft ihr nie vergessen: Nicht jeder, der älter ist als ihr, muss deshalb ein Reaktionär sein! Und nicht jeder, der etwas kann, verdient deshalb den Spott und die Verachtung derer, die noch jung sind und deshalb etwas lernen müssen. Wie Alter an sich kein Fehler ist, so ist Jugend an sich auch keine Jugend. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Ihr wisst ja selbst aus Eurer eigenen Erfahrung, dass es manchmal Jungen von 16 Jahren gibt, bei denen man nur bedauert, dass sie keine Glatze und keinen Vollbart haben; ebenso gibt es natürlich auch Grauköpfe, in deren Brust ein Herz schlägt, dass genau so jung ist wie das eure. Sie gehören zu euch und fühlen sich auch als zu euch gehörig. Und wenn sie Euch manchmal mit gutem Rat entgegentreten, so horcht wohl auf, denn sie haben eine lange Lebenserfahrung hinter sich, aus der sie die Berechtigung schöpfen können, euch auf diesem oder jenem Gebiet Wegweiser zu sein. Denn das ist nun einmal so im Leben, man muss zuerst etwas lernen, um etwas leisten zu können: Von nichts kommt nichts! Mit Reden und Großtuen ist noch kein Staat aufgebaut worden! Und Weltgeschichte fängt nicht immer erst mit euch an, sondern sie wartet nur darauf, von Euch fortgesetzt zu werden." (...)
Ich habe mich vor allem deshalb darüber gefreut, dass seit langer Zeit schon in euren Kreisen die Debatten über Kirchen- und Konfessionsfragen verstummt sind. Denn das sind keine Probleme, die von euch gelöst werden müssen, und es genügt schon, wenn die Erwachsenen sich darüber nicht einig werden.
Ich möchte in diesem Zusammenhang all die vielen hunderttausenden von jungen Menschen, die aus den konfessionellen Verbänden in die Hitlerjugend herübergekommen sind, auf das herzlichste in unseren Reihen begrüßen. Ihr müsst alle dafür sorgen, dass sie in unseren Gruppen und Fähnlein vollends aufgehen; sie sollen eure wahren und echten Kameraden werden und dürfen nicht fürchten müssen, dass das, was ihnen vom Elternhaus heilig und unantastbar ist, in euren Reihen irgendwie geschmälert wird.
Was mir immer am meisten bei euch gefällt, das ist die wahre und ungebrochene Lebensfreude, mit der ihr euren Aufgaben zugetan seid. Duckmäuser sind zu Recht bei Euch nicht gern gesehen. (...) Ihr würdet nur mitleidig lächeln, wenn man euch zumuten wollte, dass ein Jungarbeiter mit einem Gymnasiasten nicht im gleichen Gliede marschieren dürfe. Ihr seid alle zusammen eine große deutsche Jugendgemeinschaft. (...)
Eure Organisation zählt Millionen von Mitgliedern. Dass in diesem Riesenkörper manchmal auch Fehler und Mängel unterlaufen, das ist ganz selbstverständlich. Es wäre ein Wunder, wenn es sich anders verhielte. Aber die Erwachsenen sollen nicht nur eure wenigen Fehler, sondern sie sollen auch eure vielen Tugenden sehen. (...) Eltern und Erzieher aber müssen, (...) zugeben, dass sein Werk eine große deutsche Hoffnung verwirklicht hat: die Einigung unserer Jugend!
Niemand ist (...) euch Jungen und Mädel Gram darüber, wenn ihr in frischer und ungebundener Daseinslust die jungen Jahre Eures Lebens nach Kräften auszuloten und nutzbar zu machen versucht. Aber hinter jeder Ungebundenheit muss Zucht Ordnung und Disziplin stehen."
Anschließend lobt Goebbels Jugendliche, die anlässlich des Nürnberger Reichsparteitages an einem Zeltlager der HJ teilgenommen hatten: "Alles einfach, klar, spartanisch und diszipliniert". Als weiteres positives Beispiel der inneren Organisation der Jugend bringt er die Organisation des Landdienstes der Landhelfer an.
Dann wendet er sich an die Eltern und Lehrer: "Ihr Eltern und Lehrer mögt in diesen Jungen und Mädel nicht nur die vorlauten Naseweise sehen, die reden, ohne gefragt zu sein, sondern auch die kommenden Männer und Mütter unseres Volkes, denen wir noch einem unsere ganze Zukunft anvertrauen müssen.
Wenn sie in diesen Wochen und Monaten an Euch herantreten und um Heime bitten, in denen sie sich versammeln können, sorgt mit dafür, dass sie sie bekommen, denn es ist besser, sie dienen in diesen Heimen nach bestem jugendlichen Vermögen der Nation und ihren Aufgaben, als dass sie taten- und hoffnungslos auf den Straßen herumlungern. Sie haben ein Recht von uns zu fordern, denn hinter Ihnen kommen aufs Neue Kinder, die bei ihnen dasselbe Recht geltend machen. Je mehr ihr Ihnen euer Herz öffnet, umso mehr werden sie euch mit zutraulicher Liebe und jugendlicher Unbefangenheit nahen."