Der Kreispropagandaleiter der NSDAP berichtet aus Detmold
Am 6. November 1934 berichtet der Kreispropagandaleiter des NSDAP-Kreises Detmold an die Gaupropagandaleitung des Gaus Westfalen-Nord:
„Stimmungsbericht: Die Stimmung der Bevölkerung ist im Allgemeinen als gut zu bezeichnen. Die Ortsgruppenversammlungen und die Kundgebungen der DAF und des WHW waren recht gut besucht.
Das Nörgeln und Meckern über die Maßnahmen der Regierung hat aufgehört, mit Ausnahme von Einzelfällen, bei denen aber stets der Eigennutz die Ursache ist (Reichserbhofgesetz). Ebenso wird nur noch in wenigen Fällen die Bewegung kritisiert; die Rückkehr der Dienststellen zur Einfachheit und Sparsamkeit, das Abschaffen der Wagen der NSV, u.s.w. hat sich sehr wohltuend ausgewirkt. Im Vordergrunde des öffentlichen Interesses stehen die Devisenlage und die Furcht vor den Ersatzstoffen. Er. wäre vielleicht notwendig, einmal eine ausführliche Rednerinstruktion gerade über diese Fragen herauszubringen, da die Redner im Allgemeinen eben nur das bringen können, was sie den Zeitungen entnehmen. Diejenigen Vg. aber, die bei der Einfuhr von Rohstoffen auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen, betonen, dass die Praxis doch etwas anders aussieht.
Das Pastorengezänk wirkt sich nach wie vor sehr übel aus. Die betr. Herren verstehen es meisterhaft, unter dem Vorwande, die christliche Religion retten zu müssen, gegen den Nationalsozialismus zu hetzen. Dadurch , dass das Schreiben des bayrischen Landesbischofs an den Führer in der Öffentlichkeit bekannt wurde, ist die Person des Reichsbisohofs doch sehr umstritten, und die Ausführungen kirchlicher Kreise und der Deutschen Christen und Artikel der HJ geben leider den Pastoren schwerwiegendes Material für ihren Kampf, der zwar äußerlich nur gegen den Reichsbischof geführt wird, sich in Wirklichkeit aber gegen den Führer richtet, dessen Vertrauen er besitzt.
Die stärkste Erregung herrscht gegenwärtig in den Kreisen der Eltern über die geradezu unsinnige Überanstrengung und Inanspruchnahme der Jungens durch das Jungvolk und die H.J, Trotz aller Verfügungen und Erlasse werden Sonntage und mehrere Abende der Woche von diesen Organisationen in Anspruch genommen. Das Jungvolk setzt am Staatsjugendtag z.B. Dienst an von 8-12 Uhr und von 14 - 19 oder 20 Uhr, sogar von Sonnabend auf Sonntag nächtliche Geländeübungen, die bis 1 oder 2 Uhr früh dauern. Die Jungens kommen dann durchnässt und vollständig verdreckt zu Hause an und erkälten sich oder wie es in mehreren Fällen vorkam, erkranken an Rheumatismus. Dabei handelt es sich um Kinder bis 14 Jahren. Auf dem flachen Lande hören wir immer wieder, dass die Jungens sonnabends zwar freihaben, aber da die Führer fehlen, strolchen sie im Felde umher. Durch diese Übelstände wird natürlich eine starke Abneigung der Eltern gegen die H.J. und das D.J.V. erzeugt, die sich zweifellos in einer Abmeldung aus den Jugendorganisationen äußern würde, wenn die Eltern nicht fürchten müssten, als staatsfeindlich bezeichnet zu werden. Gefordert wurden muss unter allen Umständen, dass der Dienst am Staatsjugendtag nicht über eine bestimmte Stunde sich erstreckt und in der schlechten Jahreszeit Nachtübungen unterbleiben. Im Übrigen ist es höchste Zeit, dass darüber entschieden wird, ob die H.J. den Staatsjugendtag bekommt oder nicht. Sollte seine Durchführung nicht möglich sein, so muss er auch für die D.J. zurückgezogen werden. In den Schulen entsteht durch diese ungeklärten Verhältnisse eine unerträgliche Störung, da Schüler derselben Klasse am Sonnabend teils Frei haben, teils in die Schule müssen. Ein Staatsjugendtag hat nur dann einen Sinn, wenn beide Organisationen daran teilhaben und der Tag auch vernünftig aus genutzt wird. Der jetzige Zustand ist einfach unhaltbar und schädigt nur das Ansehen der Bewegung.“