„Eichenkreuz“-Verband noch tätig?
Am 30. Juni 1934 richtet der Landrat des Kreises Lübbecke folgenden Bericht an den Regierungspräsidenten in Minden und die Gestapo in Bielefeld:
„In der Stadt Lübbecke, in den Gemeinden Hüllhorst, Schnathorst, Gehlenbeck, Kettelstedt, Isenstedt-Frotheim und Levern hiesigen Kreises bestehen noch konfessionelle Jugendvereine (EichenkreuzJ. Sportliche Veranstaltungen seitens des Eichenkreuzverbandes haben zwar bisher nicht festgestellt werden können, jedoch wird angenommen, dass sich ein Teil dieser Mitglieder nach wie vor innerhalb des Eichenkreuzes sportlich durch Turnen und Spiel betätigt. So wurde u.a. festgestellt, dass seit längerer Zeit sich wöchentlich einmal abends ein größerer Teil der männlichen, schulpflichtigen Jugend auf dem Pfarrhofe in Schnathorst einfand, um an den dort stattfindenden Bibelstunden mit nachfolgenden sportlichen Übungen wie Ball- und sonstigen Bewegungsspielen teilzunehmen. An diesen Zusammenkünften bezw. Veranstaltungen beteiligten sich etwa 30-35 Knaben im Alter von 8 bis 14 Jahren. Die Leitung und Beaufsichtigung dieser Jugendlichen hat der frühere Jungscharführer der Schülerabteilung des Ev. Männer- und Jünglingsvereins (Eichenkreuz) Zig.- Sortierer Heinrich Knefel in Schnathorst, Nr.69. Die betreffenden Knaben sind nicht in die Hitlerjugend überführt, weil der Eichenkreuzverein in Schnathorst schon vor der Überführung von dem Ortspfarrer aufgelöst war. Es handelt sich also offiziell nicht um eine Betätigung eines konfessionellen Jugendverbandes. Wohl war in diesem Verhalten ein verkapptes Fortbestehen der früheren Eichenkreuzjugend zu erblicken. Gegen Knefel ist auf meine Veranlassung von dem Bürgermeister in Hüllhorst die in Abschrift beigefügte polizeiliche Verfügung erlassen. Ferner sollen am 2. Pfingsttage Angehörige des Eichenkreuzverbandes mit Fahrrädern zum Bundeslager nach Valldorf bei Vlotho gewesen sein. Die Eichenkreuzler, die an dieser Fahrt teilgenommen haben, waren mit kurzer Hose, grüner Bluse, Koppel mit und ohne Schulterriemen bekleidet. In dem Bundeslager soll über politische Angelegenheiten gesprochen worden sein, u.a. soll besonders das feste Zusammenhalten und Weiterkämpfen besprochen sein.“