Keine geschlossenen NS-Formationen im Gottesdienst
Der Kreisjugendleiter der DAF, Deutscher Fabriksarbeiter-Verband im Gesamtverband der Deutschen Arbeiter aus Köln wendet sich am 11. Mai 1934 an das katholische Pfarramt in Engelskirchen mit der Bitte, den rund 800 Teilnehmern des Pfingstlagers die Möglichkeit zu geben, an den Pfingsttagen einen Gottesdienst zu besuchen. Dafür mögen in der Kirche entsprechend Plätze freigehalten werden.
Das katholische Pfarramt sichert mit Schreiben vom 13. Mai zu, dieser Bitte entsprechen zu wollen und das Mittelschiff zu reservieren.
Weder am Pfingstsonntag noch am Pfingstmontag finden sich zur verabredeten Messe dann jedoch in nennenswerter Zahl Gottesdienstteilnehmer ein. Auf Nachfrage erhält das Pfarramt dann am 25. Mai folgende Erklärung des Verbandsbezirksleiters der Deutschen Arbeitsfront, Deutscher Fabrikarbeiter-Verband aus Köln:
„Im Besitze Ihres Schreibens vom 23. ds. Mts. teile ich Ihnen mit, dass ich es bedauere, wenn Ihnen keine Mitteilung darüber zugegangen ist, dass eine geschlossene Teilnahme der HJ unseres Verbandes des Verbandskreises Köln nicht erfolgen konnte.
Was nun den Besuch der Kirche selbst anbetrifft, so dürfte es Ihnen bekannt sein, dass geschlossene Formationen in Uniform nicht in die Gotteshäuser hineingeführt werden sollen. Ich nehme an, dass Ihnen die Gründe hierfür bekannt sind. Meines Wissens geschieht dies, um unter allen Umständen die Neutralität den christlichen Konfessionen gegenüber zu wahren und sorgsam alles zu vermeiden, was irgendwie geeignet sein könnte, zu Unstimmigkeiten mit einer christlichen Konfession zu führen. Da wir in der Arbeitsfront gewöhnt sind, nach den Grundsätzen der NSDAP zu handeln, haben wir auch Pfingsten bezüglich des Kirchenbesuches entsprechend gehandelt und davon abgesehen, unsere Jugend, die fast ausschließlich uniformiert war, geschlossen in die Kirche zu führen.
Wir haben jedoch der Jugend ausdrücklich erklärt, dass jeder Gelegenheit hätte, die heilige Messe zu besuchen, und diese Gelegenheit ist der Jugend auch gegeben worden.
Dem zuständigen Führer des Lagers in Engelskirchen war am 11. ds. Mts., als er an Sie mit der Bitte herantrat, in der Kirche für die geschlossene Formation unserer Jugend einen Platz freizuhalten, der Standpunkt der NSDAP sicherlich nicht bekannt. Die NSDAP nimmt diesen Standpunkt ja noch nicht sehr lange ein, und zwar anscheinend erst seit Kurzem, veranlasst durch Vorkommnisse, die auch Ihnen sicher bekannt sein werden.
Im Übrigen glaube ich, dass die Angelegenheit bereits durch die Rücksprache mit Ihrem Herrn Kaplan, welcher am 1. Pfingsttag mittags im Lager war, erledigt ist. Die Führer teilen mir mit, dass sie sich bereits bei Ihrem Herrn Kaplan dafür entschuldigten, dass man Ihnen nicht davon Kenntnis gab, dass ein geschlossener Besuch der Kirche nicht infrage kommen kann.“