HJ stört Exzerzitienkursus
Im Elisabehthaus in Niederkassel findet am 28. bis 31. März 1934 ein Exerzitienkursus statt, an dem außer Neudeutschen auch Mitglieder der Sturmschar und der HJ teilnehmen. Da während der Kartage die liturgischen Funktionen nicht in der Hauskapelle vorgenommen werden dürfen, müssen die Jungen zum Gottesdienst in die Pfarrkirche gehen, die unmittelbar neben dem Exerzitienhaus liegt.
Auf dem Weg zum Gottesdienst am Karfreitag vergisst einer der Jungen, die Bundestracht, die er im Haus trug, auszuziehen, und wird in der Kirche von einem Mitglied des Kirchenchores, dem Jungvolkführer Peter Dengg bemerkt. Dieser entreißt dem Jungen nach dem Gottesdienst auf der Straße das Abzeichen.
Kurz darauf erscheint Dengg im Vortragssaal des Exerzitienhauses zusammen mit einem Landjäger und zwingt vier Jungen, das Bundeshemd auszuziehen, so dass drei von ihnen mit entblößtem Oberkörper dastehen. Zudem werden drei Neudeutsche- und ein Sturmscharabzeichen, das nicht offen getragen wurde, beschlagnahmt.
Nicht nur die Beschlagnahmungen an sich, auch die Art des Vorgehens, die als unfreundlich und schroff dargestellt wird, wird von kirchlicher Seite mit Entrüstung empfunden.
Der Kursus muss unterbrochen werden, wird jedoch am Nachmittag fortgesetzt.
In der Bevölkerung erregt der Vorfall „starke Erregung“. „Es muss katholisches Empfinden auch aufs Tiefste verletzen, wenn wegen einer Sache, von der nachher der Herr Bürgermeister von Niederkassel bei einer mündlichen Besprechung in richtiger Erkenntnis der Dinge erklärte, dass er sie als eine Kleinigkeit ansehe, der heilige Ernst des Karfreitags und die religiöse Weihe eines Exerzitienkurses so rücksichtlos gestört wird.“
Die beschlagnahmten Kluften werden später zurückgegeben, jedoch mit der Bemerkung, es folge ein „gerichtliches Nachspiel“.