Neusser HJ-Führer bezeichnet Geistliche als gewissenlos
In der Neusser Dreikönigsschule hält ein etwa 18-jähriger HJ-Angehöriger am 14. März 1934 eine Werbeansprache vor Schülern und Lehrern der 1. bis 5. Knabenklasse, bei der er gegen katholische Priester (Führer der konfessionellen Bünde, Pfarrer und insbesondere Kardinal Faulhaber) den Vorwurf erhebt, sie würden von der Kanzel und in Schriften gegen die nationalsozialistische Bewegung hetzen und hätten germanische Helden als Trunkenbolde bezeichnet und den Reichsjugendführer einen Heiden genannt. Diese Männer seien „gewissenlos“ und er wisse nicht „ob solche Herren überhaupt noch geeignet sind, das reine Wort Gottes zu verkünden“.
Gegen diese Ansichten protestiert einer der anwesenden Lehrer. Er unterschreibe zwar die Erziehung der Jugend zum Gemeinschaftssinn und zu treuer Pflichterfüllung, müsse aber Einspruch dagegen erheben, dass Priester als „gewissenlos“ bezeichnet würden und ihnen die Fähigkeit abgesprochen werde, das reine Wort Gottes zu verkünden. Solche Aussprüche seien geeignet, bei den Kindern die Achtung vor den Priestern zu vermindern.