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Ereignisse
1934
Februar

HJ aus Köln-Zollstock verunglimpft katholische Jugend

In Köln-Zollstock klebt die HJ in der Nacht 27./28. Februar 1934 Plakate, auf denen Generalpräses Wolker verunglimpft wird [es handelt sich um das von der RJF herausgegebene Plakat „Herr Generalpräses, erzählen Sie uns Ihre guten Witze“]. Die Plakate werden u.a. am Pfarrhaus, der Sakristei, auf Häusern und Bürgersteigen angebracht. Unter den Tätern sind die Brüder Vith, die aus einer früher kommunistischen Familie stammen (der Vater wurde wegen seiner politischen Einstellung aus städtischem Dienst entlassen). Angeordnet wurde die Aktion vom örtlichen HJ-Führer Fritz Gänzler. Der schriftliche Befehl wurde überdies von HJ-Führer Rüger gutgeheißen. In dem Befehl heißt es, man wolle Zollstock zeigen, was die HJ sei.

Neben den Plakaten werden auch große Inschriften mit weißer Farbe an vielen Stellen der Gemeinde angebracht. Dabei wird u.a. das Christusmonogramm durchgestrichen und Slogans geschrieben wie „PX krepiert – HJ marschiert“. Die katholische Bevölkerung und auch der evangelische Pfarrer reagieren darauf mit großer Empörung.

Im Bericht über den Vorfall betont Pfarrer Niehsen vom Katholischen Pfarramt St. Pius, dass er noch nie etwas gegen die HJ unternommen habe und noch nie ein „unfreundliches Wort“ über sie gesagt habe. Er und seine Jungmänner hätten nur den Wunsch, mit ihren deutschen Brüdern in Frieden zu leben. Nun aber müsse er Einspruch gegen die HJ erheben.

Obgleich der katholischen Kirche die Täter bekannt sind, behauptet Gebietsführer Wallwey in einem Artikel im Westdeutschen Beobachter vom 30. Januar 1934, der mit „Hitler-Jugend kämpft mit offenem Visier“ überschrieben ist, dass die HJ als Täter nicht infrage komme.

Niehsen nennt demgegenüber neben den Brüdern Vith als Täter weiterhin Hardy Dung und den HJ-Führer Fritz Gänzler aus Zollstock, Fischenicherstraße 22, der zugegeben hat, die Aktion angeordnet zu haben. Er behauptet allerdings, dass nur Pflaster und Bürgersteige hätten beschrieben werden sollen, nicht jedoch die Häuser.

Pfarrer Niehsen fordert in seinem Bericht über die Vorfälle an den Kölner Polizeipräsidenten eine „gründliche Untersuchung“, damit nicht Unschuldige der Tat bezichtigt würden.

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