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Ereignisse
1934
Februar

Bonner HJ droht mit harten Disziplinierungsmaßnahmen bei Dienstversäumnissen

Der Führer des Bonner Unterbanns II/160, Lamberz, wendet sich am 20. Februar 1934 in einem Sonderrundschreiben an die Eltern der Mitglieder, in dem er beklagt, dass die Jungen häufig beim Dienst fehlen würden und dafür unzureichende Entschuldigungen der Eltern beibrächten mit Begründungen wie „Mein Sohn kann wegen Krankheit den Dienst nicht besuchen“, „Mein Sohn hat sich stark erkältet“, „Mein Sohn ist zu spät nach Hause gekommen“ oder „Mein Sohn geht mit uns auf Tour“.

Daher ordnet er an, dass einer Entschuldigung ab sofort ein ärztliches Attest beigefügt werden müsse. Den Hitlerjungen sei Gelegenheit gegeben, sich dafür in der Medizinischen Poliklinik in Bonn nachmittags zwischen 17 und 18 Uhr von den Ärzten der HJ ein solches Attest ausstellen zu lassen. Andere Entschuldigungen, außer der Verhinderung durch Arbeit, würden nicht länger gelten und würden nicht anerkannt. Ein Hitlerjunge, der zweimal hintereinander den Dienst unentschuldigt versäume, werde aus der HJ „durch Bekanntgabe im Westdeutschen Beobachter und unter Anzeige an seinen Lehrherrn oder Arbeitgeber bezw. den Lehrer“ ausgeschlossen. „Die Hitlerjugend“, so Lamberz drohend, „ist in der Lage, den Jungens für Lebzeiten eine Existenz zu vernichten, wenn sie dem Dienst nicht so nachkommen, wie es sich gehört“. Wer in der HJ stehe, sei Soldat und „kein Jammerlappen“. Die HJ brauche nicht auf die „ungeheure Bedeutung“ der HJ hinzuweisen, deshalb dürfe sie von den Eltern die Unterstützung ihrer Arbeit verlangen und ihr nicht entgegenzuarbeiten, „indem sie ihren Sohn zu einer verweichlichten Kreatur erziehen, der nicht dem kleinsten Windstoß oder Regen ausgesetzt werden darf“. Der Nationalsozialismus wolle eine gesunde und starke Jugend, die nicht hinter dem Ofen ihren Platz habe, sondern in Wald und Feld.

Zudem wird darum gebeten, bei der Anschaffung der Uniformstücke den HJ-Führer zurate zu ziehen, damit keine unvorschriftsmäßige gekauft werde.

Das Schreiben endet mit den Worten: „Wir hoffen nun, in der Zukunft den Anordnungen der Hitlerjugend zu genügen und mitzuarbeiten, denn die Arbeit ist wirklich nicht leicht.“

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