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Ereignisse
1934
Februar

Duisburger HJ überfällt Jugendheim und beschimpft Geistliche

Das katholische Jugendheim in Duisburg-Rahm wird 1933 wiederholt von Jungvolk und HJ beschädigt: Am 31. Juli wird es in der Nacht von einer Gruppe des Jungvolks beschmiert, am 15. August erfolgt ein Einbruch mit starker Sachbeschädigung, am 21. August wird ein Heimabend durch die HJ gestört, und im November beschmiert die HJ erneut das Heim.

Am 8. Februar 1934 erfolgt ein erneuter Überfall auf das Heim durch Mitglieder der HJ während eines Treffens der Sturmschar. Die Nachbarn verständigen daraufhin den Rektoratspfarrer von Rahm, W. Wedding, der die Angreifer zur Rede stellt. Diese reagieren mit Beschimpfen, die, so Wedding empört in einem Bericht an das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln, „von einer Gesinnungsverrohung und einem Mangel an Achtung vor der Autorität [zeugten], wie sie [dem Unterzeichneten] in Zeiten schlimmster Auseinandersetzungen mit Kommunisten nicht begegnet sind“. Die Rahmer seien als „Rahmer Pack“ und „schwarze Zentrumsbonzen“ beschimpft worden, die katholischen Jungmänner als „Billardclub und Kegelclübchen“, ihre Kluft als „Fastnachtskluft“. Sie hätten bald zu verschwinden und kein Recht, weiter zu bestehen. Mit dem Konkordat wäre es bald aus. Sie würden den Sturmschärlern dann auf offener Straße ihr Hemd ausziehen, wenn sie sich zeigten. Dazu hätten sie die Polizeigewalt. Das Jugendheim würde schon bald da liegen.

Weitere Beschimpfungen von Geistlichen folgen. Den Vorwurf, das Jugendheim beschmiert zu haben, quittieren die Jungen mit der höhnischen Frage, ob das denn nicht schön sei. Wedding hebt hervor, dass ihn angesichts der Beschimpfungen nur der Priesterrock und die etwaige Gefährdung der Interessen der katholischen Jugend an einer „hier angebrachten echt deutschen Antwort“ gehindert hätten. Auch die Sturmschar habe trotz der Provokationen seinem Befehl gemäß an sich gehalten und Disziplin bewahrt.

Pfarrer Wedding stellt im Nachgang Strafantrag beim Polizeipräsidenten und setzt den Oberbürgermeister, die Kreisleitung der NSDAP und das Jugendhaus in Düsseldorf über den Vorfall in Kenntnis.

In einem Ergänzungsschreiben vom 11. Februar 1934 merkt Wedding an, dass auch nach zwei Tagen von der HJ noch keine Entschuldigung erfolgt sei. Die Bevölkerung empfinde den ganzen Fall als „sehr bitter“. Zum Hinweis der HJ, sie agiere im Interesse des Führers, bemerkt Wedding:

„Wenn das – wie es hieß – Pflicht gegen den Führer sein soll, so kann ich mir keinen größeren Schimpf vorstellen, den man ihm antut und wodurch man sein Werk sabotiert.

Gerne nehme ich an, dass auch der übergroße Teil der Hitlerjugend zu deutsch und zu christlich ist, als dass sie jene Gemeinheiten gutheißt und die Kameradschaft mit solchen Elementen schätzt.“

Abschließend bemerkt er, dass das Uniformverbot für den Düsseldorfer Regierungsbezirk von den örtlichen katholischen Jugendverbänden in vorbildlicher Weise eingehalten werde.

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