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Ereignisse
1934
August

Mitgliederverluste der DJK durch Spielverbot

Seit dem 19. März 1934 besteht im Regierungsbezirk Köln ein staatspolizeiliches Spielverbot für die DJK. Auch Training ist nicht gestattet. Zusammenkünfte von Abteilungsleitern, in denen über die Lage berichtet wird und Richtlinien für die Arbeit gegeben werden, werden bespitzelt. In der Folge kommt es zu Vernehmungen der führenden Leute der DJK durch die Staatspolizei, bei denen der DJK mitgeteilt wird, dass solche Veranstaltungen „höchst unerwünscht“ seien.

Als das Verbot Anfang August immer noch nicht aufgehoben ist, werden die Mitglieder der Vereine zunehmend unzufrieden. Die Kirche sieht hier eine große Gefahr für ihre Jugendarbeit. In den Städten sind viele der Sportvereine aus einem katholischen Jugendverein hervorgegangen und bilden damit ein Glied dieses Vereins. In den ländlichen Gebieten haben sich die katholischen Jugendvereine jedoch vielfach erst mit dem Entstehen der DJK gebildet. Daher fürchtet die Kirche, dass bei einer Zerschlagung der DJK auch der jeweilige Jugendverein zugrunde geht.

Die DJK bildet einen wichtigen Teil der gesamten Jugendarbeit des Katholischen Jungmännerverbands. Im ersten Halbjahr 1933 gab es 3634 DJK-Abteilungen mit 148.150 Mitgliedern und damit 40,6 Prozent der Gesamtmitgliederzahl. Es folgten 2597 Sturmscharen mit 23.040 Mitgliedern und damit 6,3 Prozent der Mitglieder. Insgesamt sind 66,7 Prozent der Gesamtmitglieder in Gruppen und Abteilungen erfasst.

Seit Mitte 1933 hat die DJK auf dem Land durch Auflösung von Abteilungen und Neugründungen eines selbständigen Vereins mit Übertritt in den Deutschen Fußballbund starke Verluste erlitten, etwa 20 bis 25 Prozent.

Hier wird erwartet, dass nach der Aufhebung der aus gesundheitlichen Gründen allgemein verhängten Fußballsperre vom 1. Juli bis 15. August weitere Verluste hinzukommen.

Bereits in der Zeit bis Anfang August haben die Fachverbände die DJK-Vereine aus den Spielklassen ausgestoßen und für die im September wieder beginnende Spielzeit nicht mehr aufgestellt, weil es heißt, sie seien verboten. Den Vereinen wird von der Seite daher empfohlen aus dem DJK-Verband auszutreten, sich aufzulösen, einen neuen Vereinsführer zu wählen und neue entsprechende Satzungen herauszugeben, in denen keine konfessionellen Bindungen mehr enthalten sind. Die Vereinsführer missen von der zuständigen NSDAP-Ortsgruppe und der Gestapo bestätigt werden. Dann kann eine Neuaufnahme in die zuständige Fachsäule erfolgen.

In der Situation sieht sich die DJK vonseiten der Bischöfe in keiner Weise unterstützt und wirft ihnen ihr Schweigen vor. Es herrscht eine große Verunsicherung, ob die DJK überhaupt noch gewünscht wird.

Hinzu kommen finanzielle Sorgen, da sich bis August 1934 der Ausfall an Beiträgen und Spieleinnahmen bemerkbar macht, während Pachten und Mieten für Sport, Turn- und Schwimmanlagen weitergehen.

In der Situation befürchtet die DJK, wenn bis zur Aufhebung des Spielverbots am 15. August keine Klarheit über die Lage geschaffen ist, ein Großteil der DJK-Abteilungen in den Deutschen Fußballbund übertritt, selbständiger Verein wird und damit ohne jede religiöse Bindung aus der katholischen Jugend ausscheidet. Damit würden, so die Sorge, die Jungen jeder religiösen Beeinflussung entzogen.

Die DJK fordert daher eine Verhandlung mit den Regierungsstellen, um das Betätigungsverbot aufzuheben.

In dem Zusammenhang wird darauf aufmerksam gemacht, dass selbst die kommunistischen und marxistischen Vereine überlebt hätten, indem sie in den bürgerlichen Vereinen untergetaucht seien und nicht nur mit der erlaubten Zahl von 40 Prozent, sondern zu 100 Prozent und oft in ihren früheren Gemeinschaften wieder spielen. Dies sei ein „offenes Geheimnis“. Man gönne diesen Volksgenossen die sportliche Betätigung und freue sich, dass es eine Einrichtung gebe, in der sich alle Volksgenossen treffen könnten. „Aber wir fragen uns immer wieder: Sind unsere Mitglieder, die in Treue zur Kirche und ihren Organisationen stehen und damit eine Tugend ausüben, die vom Führer und Reichskanzler am höchsten geschätzt wird, weniger, als diese Volksgenossen! […] Diese Behandlung, uns ohne Grund, nur weil wir Mitglieder katholischer Verbände sind, aus der Deutschen Sportgemeinschaft auszuschließen, gibt Rätsel auf, die wir auf die Dauer einfach nicht zu lösen in der Lage sind.“

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