Menü
Ereignisse
1934
August

Vater kritisiert Führerprobleme bei Staatsjugendtag

Am 25. August 1934 wendet sich ein Vater aus Oerlinghausen mit einer kritischen Darstellung der Zusammenarbeit zwischen Schule und HJ beim Staatsjugendtag an die lippische Landesregierung. Er schreibt:

„Sehr geehrter Herr Staatsminister Riecke

Infolge Verordnung der Schulbehörde ist der Sonnabend für Kinder, welche zum BDM sowie zur HJ gehören, schulfrei. Ich würde diese Anordnung begrüßen, wenn die ausfallende Schulzeit bisher wertvoll angelegt worden wäre. Statt dessen wurden die Kinder, zu denen eines meiner Kinder gehört, von einem anderen Schulkind geleitet; ein Kind, welches selbst noch der Führung bedarf und bestimmt noch nicht verantwortlich sein kann.

Es liegt mir fern, mich einer neuzeitlichen Lebensauffassung und Schulausbildung entgegenzustellen. Aber als Vater darf ich verlangen, dass die Schulzeit voll ausgenutzt wird und dass eine Ausbildung auf nationalem und sozialem Gebiet sowie auch körperlicher Ertüchtigung von verantwortlichen Menschen geleitet wird, und dazu sind die Lehrer und Lehrerinnen in erster Linie berufen und bezahlt; ihre Zeit ist da, bei entsprechender Arbeitsteilung lässt sich alles bewerkstelligen; diese können den Eltern und dem Staate gegenüber die Verantwortung tragen, dass die Kinder in rechter Weise gefördert werden. (…) Zur Erläuterung teile ich noch mit, dass heute Morgen einem etwa 13-jährigen Mädchen die gesamten Mädchen der hiesigen Rektor- und Volksschule unterstellt waren und dass es dann zu Missliebigkeiten kam. Es ist eben ein Unding, dass ein Kind zu einer so verantwortungsvollen Aufgabe herangezogen werden kann.

Falls es unmöglich ist, hier Änderung zu schaffen, müsste ich meine Kinder aus der Organisation wieder herausnehmen und offiziell in die Schule senden. Ich bitte Sie höflichst, diese Sache zum allgemeinen Wohle zu erledigen.“

Baum wird geladen...