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Ereignisse
1934
Oktober

Studiendirektor beschwert sich über HJ

Am 19. Oktober 1934 beschwert sich Studiendirektor Müller über das unzulässige Fernbleiben zweier Schüler vom Unterricht wegen einer HJ-Verpflichtung. Er schreibt:

„Ich bestätige Ihnen den Empfang des Schreibens vom 18. ds. Mts.. Leider ist es nach Form und Inhalt nicht dazu angetan, den betreffenden Fall zu bereinigen, daher sehe ich mich veranlasst, mich wegen des Vorfalles selbst, und der Art seiner Behandlung durch die hiesige HJ-Führung zu beschweren.

Der Vorgang war folgenden Samstag, den 13. ds. Mts. habe ich die Untersekundaner B... und S... auf ihre Bitte hin nach der 4. Unterrichtsstunde beurlaubt. Das bedeutete ein Entgegenkommen der Schule, weil die Jungen erst am gleichen Morgen um Urlaub gebeten hatten und weder einen schriftlichen Antrag der Hitler-Jugend noch einen solchen der Eltern vorlegen konnten. Ich habe ihnen ausdrücklich aufgetragen, dieses Schreiben am Montag nachzureichen. Zu der Beurlaubung habe ich mich in erster Linie deshalb entschlossen, weil mir die Jungen erklärten, sie müssten ihre Einheit bei dem Sportwettkampf der HJ in Gladbeck vertreten. Am Montag (15.10.) kamen S... und B... nicht zur Schule. Tags drauf erklärten sie, der zuständige HJ Führer F... B... habe ihnen nicht gestattet, vor Montag nach Hause zu fahren. Die Jungen müssen nun auf meine Anordnung nachholen, was sie an dem fraglichen Montag versäumt haben, und zwar in der Form einer schriftlichen Aufgabe für jedes Fach. Ich hätte nun wenigstens erwarten können, dass sich die hiesige Bannführung wegen des Fehlens der Jungen bei mit entschuldigt hätte. Zum mindesten wäre es möglich gewesen, dass ich Montag-Morgen telefonisch von dem Fehlen benachrichtigt wurde. Ob es sich mit nationalsozialistischer Pflichtauffassung vereinbaren lässt, wenn ein HJ-Führer Jungen, die nach Hause fahren sollen, davon zurückhält, mag dahin gestellt bleiben. Das lässt sich auch nur bei genauer Kenntnis des Verlaufs der Veranstaltung am Sonntag beurteilen. Jedenfalls musste ich mich sehr darüber wundern, dass die hiesige HJ-Führung erst dann von sich hören ließ, als die Jungen bzw. deren Eltern sich über die Mehrbelastung der Jungen mit Arbeit beklagten, und zwar Donnerstag, den 18. ds. Mts. Da rief mich nämlich nachmittags der HJ-Führer F... B... an und gab auch zu, dass die hiesige HJ-Führung sich gegenüber der Schule nicht richtig verhalten und allen Grund habe, sich zu entschuldigen. Heute erhielt ich zu dem Vorfall ein Schreiben des Bannführers L... P..., in dem von einer solchen Entschuldigung mit keinem Worte die Rede ist. Als Nationalsozialist lege ich auf ein harmonisches Zusammenarbeiten mit der HJ den größten Wert. Ich freue mich, feststellen zu können, dass ein solches Zusammenarbeiten mit dem Jungvolk bereits Tatsache ist. Der hiesigen HJ-Führung gebe ich zu bedenken, dass sie durch Vorfälle, wie den oben erwähnten, die nationalsozialistischen Belange schädigt.“

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