KLV als Erziehungsform
Im „Siling. Elternbrief der Erweiterten Kinderlandverschickung, Gau Niederschlesien“ heißt es in der November/Dezember-Ausgabe 1943:
„Die erweiterte Kinderlandverschickung hat sich nicht nur als wirksame Form der Bewahrung der Schulkinder vor gesundheitlichen Schäden, sondern auch als Erziehungsform bewährt. Während die Schulverwaltung dabei bisher teilweise so gut wie gar nicht beteiligt war, konnte dies angesichts der Ausweitung der Aktion nicht mehr beibehalten werden. Eine Neuregelung sieht deshalb vor, dass künftig die Unterrichtstätigkeit der Lehrkräfte in sämtlichen KLV-Lagern im Auftrage der staatlichen Schulverwaltung ausgeübt und der Lehrereinsatz durch die Schulaufsichtsbehörden geregelt wird. Zugleich wurde die Aufsicht über den Schulunterricht in den Lagern den Schulaufsichtsbehörden übertragen.
Da andererseits auch auf die Erfahrungen und Einrichtungen der Kinderlandverschickung nicht verzichtet werden soll, wird die Schulverlegung als eine gemeinschaftliche Aufgabe der Schulbehörden und der KLV-Dienststellen bezeichnet und die Bildung gemeinsamer Arbeitsstäbe empfohlen. Bei der Verlegung sollen die Eltern darauf hingewiesen werden, dass schulpflichtige Schüler verlegter Schulen ihre Schulpflicht grundsätzlich am Verlegungsort zu erfüllen haben, und dass sie am bisherigen Schulort keinen Unterricht mehr erhalten können. Befreiung kann nur bei Unterbringung im Wege der Verwandtenhilfe oder aus triftigen, insbesondere gesundheitlichen Gründen erteilt werden. Über das Vorliegen solcher Gründe entscheidet der Schulleiter.
Zu den wichtigsten Fragen gehört die Deckung des Lehrerbedarfs. Die Auflösung der großen Schulsysteme hat insbesondere bei der höheren Schule zu einer Erhöhung des Bedarfs geführt, der durch die Betreuung der Luftwaffenhelfer usw. noch verschärft wird. Auch aus der Verwandtenhilfe ergeben sich wegen der Übervölkerung der Schulen der Unterbringungsorte Schwierigkeiten. Der Bedarf kann nur gedeckt werden, wenn zu kleine Klassen zusammengelegt, Klassenteilungen möglichst vermieden und die Pflichtstunden der Lehrer erhöht werden.“