KLV-Schwierigkeiten wegen HJ-Ansprüchen?
In einem Fernschreiben teilt der stellvertretender Gauleiter des NSDAP-Gaues Essen Schlessmann Gauleiter Wächtler in Bayreuth am 10. September 1943 mit:
„Wenn Sie in Ihrem FS mitteilen, dass Sie nur mit dem Gau Essen Schwierigkeiten wegen Ihrer KLV-Beauftragung hätten, so tut mir das sehr leid, aber Sie dürfen versichert sein, dass diese Schwierigkeiten nicht deshalb auftreten, um Ihnen Schwierigkeiten zu machen, sondern deshalb, weil auch wir uns für unsere Kinder in Ihrer schulischen Betreuung sehr stark mit verantwortlich fühlen. Denn wir haben hier den Druck der Eltern auszuhalten. Was die Kinder Ihren Eltern in dieser schweren Zeit bedeuten, glaube ich, Ihnen nicht erst vor Augen halten zu müssen, aber sicherlich werden Sie es am besten verstehen, wenn Sie sich vorstellen, dass die Eltern dieser Kinder monatelang unter schwersten Bombenangriffen zu leiden haben und darum auch noch auf diesem Gebiet psychologisch sehr empfindlich wurden. Sie selbst werden auch wissen, dass die schulische Betreuung in der KLV in den vergangenen Jahren mehr als rückständig war. Die Kinder kamen mit enormen Rückständen in Ihrem Wissen in Ihre alten Klassen zurück. Das lag zum Teil daran, dass das Lehrpersonal sich noch nicht in seine Aufgaben zurechtgefunden hat, auf der anderen Seite aber die KLV-Verschickung durch die HJ als eine reine HJ-Angelegenheit angesehen wurde. Ich bin zuletzt deshalb 1941 schon nach Böhmen/Mähren gefahren, um an Ort und Stelle mir ein eigenes Bild zu machen. Heute hat sich dieses Bild Gott sei Dank um ein wesentliches zugunsten der schulischen Ausbildung der Kinder verschoben. (...)
Wenn Sie, sehr geehrter Gauleiter, erklären, nur mit dem Gau Essen hätten Sie Schwierigkeiten, so kann ich Ihnen melden, dass wir als Entsendegau mit unseren 5 Aufnahmegauen keinerlei Schwierigkeiten haben, im Gegenteil, die Zusammenarbeit zwischen jeder Dienststelle von hier und den Aufnahmegebieten vorzüglich ist.“