„Stippvisite in der KLV-Zentrale“
Unter der Schlagzeile „Stippvisite in der KLV-Zentrale“ berichtet der „Siling. Elternbrief der Erweiterten Kinderlandverschickung, Gau Niederschlesien“ in seiner September/Oktober-Ausgabe 1943:
„Bei den in der Durchführung begriffenen Maßnahmen zum Schutze der abkömmlichen Frauen, Kinder und Greise vor dem Bombenmord haben die Beauftragten des Reichsleiters Baldur von Schirach und des Reichsjugendführers Axmann für die Erweiterte Kinderlandverschickung das besonders wichtige Teilgebiet der Sicherstellung jener zahllosen Schulkinder zu bearbeiten, die klassenweise aus den luftbedrohten Gebieten verlegt werden. (...)
Allerdings waren es bisher erst insgesamt rund 600 000 Schulkinder, die von dieser auf Befehl des Führers zur Erholung und Kräftigung der deutschen Schuljugend neu geschaffenen Institution übernommen werden konnten. Die nun erforderliche sofortige Herausführung eines Vielfachen dieser Zahl wirft einige praktische Fragen auf, wie sie in der Bau- und Produktionslage, Verkehrs- und Raumfrage jedermann verständlich sein werden. Die Notwendigkeit aber, Leben und Gesundheit der Schuljugend zu schützen, gebietet, lieber Übergangsschwierigkeiten in Kauf zu nehmen, als die Verlegung der Schulen länger als unbedingt nötig zu verschieben.
Für den so jäh erwachsenden gewaltigen Bedarf werden alle noch vorhandenen geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten herangezogen, ländliche Gasthöfe, Jugendherbergen, ausgebaute Gutshäuser und Schlösser, Zollhäuser an den ehemaligen Reichsgrenzen usw., auch wenn die Räume zunächst primitiv sind. Wo die gemeinsame Unterkunft nicht möglich ist, werden die Jugendlichen in Familienpflegestellen kommen, trotzdem aber während des Tages die sorgsame Lagerbetreuung erhalten.
Für die Gestaltung der Unterkünfte hat die Reichsjugendführung, unbeschadet der weiter laufenden Produktion, zunächst einmal ihre Vorratslager an Betten, Bettwäsche, Ausstattung und Gerät mobil gemacht, in erster Linie allerdings für die bombengeschädigten Kinder, deren Eltern selbst nichts mehr besitzen. Da man im Kriege nicht einfach jeden gewünschten Bedarf fabrizieren lassen kann, sollen die anderen Bettzeug, möglichst auch eine Wolldecke, Gebrauchswäsche und Geschirr selbst beisteuern, das damit ja gleichzeitig vor der Zerstörung in der luftbedrohten Heimat bewahrt wird. (...)
Die Eltern werden gegebenenfalls brieflich Gelegenheit haben, sich regelmäßig vom Wohlergehen der Jugendlichen zu überzeugen. An sie ergeht der Appell, mit Verständnis und in Disziplin zu erkennen, dass unter den Kriegserschwerungen bei dem bisher einmaligen Ausmaß der Schulverlegung Übergangs- und Umstellungsschwierigkeiten für eine gewisse Zeit auftreten können. Es dient der Überwindung dieser Schwierigkeiten, wenn die Eltern sich bei Herausführung der Kinder auf zwei Wege beschränken: Verwandtenverschickung oder KLV-Lager.“