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Ereignisse
1943
Juli

Auswirkungen von Luftangriffen auf KLV und Schulverlegungen

In einem „Bericht über den Stand der Schulverhältnisse der Hansestadt Köln nach dem Angriff vom 9.7.1943“ heißt es:

„Stand der KLV- Angelegenheiten: Infolge der Ferien ist eine genaue Erfassung der Schüler zum Zwecke ihrer Entsendung in die Aufnahmegebiete Niederschlesien und Sachsen nicht möglich. Die Ö.L.Züge brachten schon tausende von Totalgeschädigten in diese Gebiete, bis Ende dieser Woche werden dort zirka 80 000 sein. Ein Sechstel davon können als Schulpflichtige angesehen werden.

Da eine Beschulung vorerst nicht mehr möglich sein wird, ist beabsichtigt, sie in Niederschlesien zusammenzufassen und dort durch Kölner Lehrkräfte zu beschulen. Durch die große Abwanderung, die gleich nach den Terrorangriffen einsetzte, wird es kaum noch möglich sein, die Schulen geschlossen zu verlegen. Deshalb sind folgende Maßnahmen notwendig:

a) Aufruf durch Plakate und Presse: Die Eltern werden aufgefordert, ihre Kinder bei den genannten Meldestellen zur Verschickung anzumelden.
b) Bildung von Schulsystem in Niederschlesien, wobei soweit als möglich auf die alte Zusammenstellung Rücksicht genommen wird.
c) Nach Schluss der Ferien muss ein erneuter Aufruf an die Eltern ergehen, ihre aus dem Erholungsurlaub zurückgekehrten Kinder zu melden, damit diese den in Schlesien befindlichen Schulsystemen zugeführt werden können.
d) Später, etwa am 1.9.1943, müssten die in Köln verbliebenen Eltern verpflichtet werden, nachzuweisen, ob und wo ihre schulpflichtigen Kinder eine Schule besuchen. (...)
f) Die Meldestellen müssen mit Lehrkräften besetzt werden.“

In einer Kölner Volksschulchronik heißt es ergänzend:

„Öffentliche Anschläge und Zeitungsberichte besagen, dass in Köln der Unterricht nach den Ferien nicht wieder aufgenommen werde. Möglichst alle Kinder sollen entweder in die KLV-Lager oder mit ihren Müttern bzw. Familien, soweit die totalgeschädigt sind oder den Wunsch äußern, in die Aufnahmegaue Sachsen und Niederschlesien verschickt werden. Die noch erhalten gebliebenen Schulgebäude werden durchweg mit städtischen Dienststellen belegt. (...)

Schuljahr 1943/44

In der Ferienzeit werden Listen in den Schulen angelegt, die eine Übersicht über die noch im Schulbezirk verbliebenen Schulkinder geben sollen. Die Eltern melden ihre schulpflichtigen Kinder an und vermerken dabei, ob das Kind verschickt oder in Köln unterrichtet werden soll. So kommt schließlich die Stadt doch zu dem Entschluss, die Schulen wieder zu eröffnen, wie es dem Wunsch der Eltern entspricht.“ Der Unterricht beginnt am 18.08.43.“

Nachdem die Wiederöffnung bekanntgeworden ist, steigen die Schülerzahlen:

„Die Kunde von der Wiederöffnung der Kölner Schulen verbreitet sich schnell, so dass viele Eltern mit ihren Kindern zurückkehren, andere hier verbliebene Eltern holen ihre verschickten Kinder heim, so dass die Zahl der Schüler und Schülerinnen von Woche zu Woche wächst.“

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