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Ereignisse
1943
Januar

„Schule für das ganze Leben“?

Im „Siling. Elternbrief der Erweiterten Kinderlandverschickung, Gau Niederschlesien“ wird im Januar 1943 folgender, „KLV-Gemeinschaft - Schule für das ganze Leben“ überschriebe Artikel über ein nicht näher bezeichnetes Kölner KLV-Lager abgedruckt:

„Ja, es sind ‚Kölsche Jung‘, und es war für mich Norddeutschen eine besondere Freude, mit den lebensbejahenden Rheinländern zusammen sein zu können. Wie oft musste ich ihnen vorlesen von den heimtückischen Angriffen der britischen Luftwaffe auf ihre Heimatstadt, und das Gefühl des Erschreckens wurde dann überwältigt von dem der Freude, dass es ihnen vergönnt war, hier im Lager ungestört durch Angriffe feindlicher Flieger Nacht für Nacht ruhig und sicher schlafen zu können.

Eine Parole hatte ich den Jungen am Anfang meiner Tätigkeit gegeben, die ihnen den ganzen Sinn des Lagers klarmachen sollte. Es soll ein Lager der Arbeit, ein Lager der Disziplin und Ordnung und ein Lager der Freude und Erholung sein. In diesen wenigen Worten liegt klar und deutlich umrissen, was das Lager den Jungen geben soll. Es ist ein Lager der Arbeit, sowohl in schulischen Dingen als auch in der HJ-Arbeit, hier lernen die Jungen aus der Praxis vieles, was ihnen zu Hause verlorengegangen wäre. Während der Schulunterricht und der HJ-Dienst in ihrer Heimatstadt durch kriegsbedingte Einschränkungen nicht immer seinen natürlichen Lauf nehmen kann, haben die Jungen hier im Lager regelmäßig Unterricht, der durch den Anschauungsunterricht, zu dem hier in freier Natur Gelegenheit gegeben ist, noch um vieles verbessert ist. Im HJ-Dienst lernen sie vieles, was ihnen später in ihrer militärischen Laufbahn sehr von Nutzen sein kann.

Es ist ferner ein Lager der Disziplin und Ordnung; täglich, man kann wohl sagen stündlich, werden ihnen zwei Dinge anerzogen, die unersetzliche Vorbedingung sind für ihr späteres Leben: sie lernen Ordnung halten in ihrem Äußeren und in ihren Schränken und Zimmern, und sie lernen Disziplin halten ihren Vorgesetzten, ihren Führern gegenüber.

Und dann ist das Lager ein Lager der Freude und Erholung. Wenn ich sage, dass dies der Hauptzweck des Lagers überhaupt ist, dann dränge ich damit andere wichtige Dinge in den Hintergrund, aber mit ruhigem Gewissen kann ich sagen, dass gerade diesen beiden Faktoren ein sehr großer Raum gewährt worden ist. Durch Sport, durch Wanderungen, durch Kinobesuche, durch Vorträge wurde versucht, ihnen immer wieder Abwechslung und Freude zu bereiten.

Lagermannschaftsführer Herbert Nothnagel“

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