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Ereignisse
1934
Oktober

Gauinspektion beschwert sich über Gestapo

Im „Lagebericht“ an Gauleiter Meyer wird seitens der Gauinspektion am 31. Oktober 1934 unter dem Punkt „Politisches“ mitgeteilt:

„Im verstärkten Umfange versucht die katholische Kirche die Jugend wieder in ihren Bünden und Organisationen zusammenzuschließen. Es werden Fahnen der Sturmscharen geweiht, in den Klosterhöfen werden Umzüge der Jugendverbände veranstaltet, Zum Gottesdienst erschienen die Jungens in eigener Tracht. Sie ziehen sich in der Sakristei um. Vor einigen Tagen .ist es sogar im Bereich der Stadt Recklinghausen zu einer großen Kundgebung von etwa 6 - 700 Jugendlichen, die zum Teil aus dem Landkreise stammten, gekommen. Die Staatspolizei sieht diesem Treiben recht harmlos zu. Ich weiß, dass die Anweisungen der Staatspolizei zur Behandlung der katholischen Verbände nicht Fisch noch Fleisch sind. Die Polizeibeamten wissen meistens nicht Bescheid. Typisch ist der anliegende Bericht des Bannführers der Hitler-Jugend.

Es ist ganz klar, dass die Jungen bei der lachsen Handhabung der Anordnungen über das Verbot sportlicher und wehrsportlicher Betätigung der katholischen Jugendverbände eine diebische Freude haben, wenn sie der Polizei ein Schnippchen schlagen können. Helfen kann hier nur, wenn seitens der Polizeibehörden scharf und unnachsichtig vorgegangen wird. Das sind aber auch klare Anweisungen durch die Regierung notwendig.

In diesem Zusammenhang ist noch darauf hinzuweisen, dass die Kapläne, die den Schulen Religionsunterricht erteilen, politisch viel Schaden anrichten. In Lembeck sind beispielsweise in einer Klasse, in der der Religionsunterricht von einem Lehrer gegeben wird, die Jungens alle im Jungvolk. Dagegen sind in der anderen Klasse, in der der Kaplan den Religionsunterricht erteilt, alle gegen das Jungvolk eingestellt; diese Jungens gehören zu den Sturmscharen oder Messdienerscharen oder wie sonst die Bezeichnung ist.“

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