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Ereignisse
1943
Juni

Schul- und KLV-Verhältnisse in Essen

Aus einer „Übersicht über die Essener Schulverhältnisse“ geht hervor, dass am 1. September 1942 insgesamt 69.378 Schüler gezählt wurden, von denen rund 8.000 am 31. März 1943 aus der Schule entlassen wurden. Von den verbleibenden 61.378 hatte man zum 1. Juni 1943 den Verbleib von 57.144 Schülern ermitteln können, während 4.234 unauffindbar waren. Verschickt waren zu diesem Zeitpunkt 35.522 Kinder und Jugendlichen, davon 23.884 Grundschüler und 11.636 Schüler der „Oberstufe“, d.h. vom 5. Schuljahr aufwärts. Durch die KLV bzw. die auf die Grundschulen beschränkte „Schulaktion“ der Gauleitung waren jedoch lediglich etwa 8.800 Schüler erfasst, während 26.722 in Eigeninitiative der Eltern zu Verwandten oder Bekannten verschickt worden waren. In Essen anwesend waren demnach noch 21.622 Schüler (14.705 Grundschüler, 6.917 Ältere), von denen etwa 9.000 in Randschulen unterrichtet wurden, während 12.622 überhaupt keinen Schulunterricht hatten.

Die Haltung der Eltern wurde als „durchweg sehr zögernd“ klassifiziert. „Wo wir sterben, sollen auch die Kinder sterben!“ Während das Verhalten der Pflegeeltern als „lobenswert“ bezeichnet wurde, schilderte man das der verschickten Kinder als „über den Normalstand anmaßend, verwahrlost“. Außerdem seien die Kinder „in den Kenntnissen und Fertigkeiten weit zurück“. Außerdem wurde eine hohe Quote an Rücksendungen und Rückholungen beobachtet, wobei es nicht selten vorkam, dass sich Neunjährige auf eigene Faust auf den Weg ins Ruhrgebiet machten. Auch hier wurden rassistische Begriffe verwandt, denn die verschickten Volksschüler wurden als „in mancher Beziehung negative Auslese“ klassifiziert.

Offenbar hatte stell. Gauleiter Schleßmann zwischenzeitlich die Unterrichtung in Randschulen untersagt. Da die Verschickung aber weiterhin freiwillig blieb, sahen die Schulräte hier ein Dilemma, da dann zwangsläufig Kinder ohne Unterricht blieben. „Unhaltbarer Zustand wegen der weiteren Verwahrlosung und des Zurückbleibens der Kinder.“

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