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Ereignisse
1943
März

Leiter der Essener Helmholtz-Schule zur Annahme der KLV

Oberstudiendirektor Löscher von der Essener Helmholtz-Oberschule wendet sich am 16. März 1943 an den Oberpräsidenten:

„Am 13. März wurde ich plötzlich durch die hiesige KLV-Stelle - Kreisleitung des NSLB - vor die Wahl gestellt, mich sofort zu einem Abtransport der Klassen 1b, 3a, 3b, 4a und 4b ins Protektorat zu entscheiden. Da dies meines Erachtens in absehbarer Zeit die einzige Möglichkeit war, die Schüler aus dem hiesigen Gebiet fortzuschaffen, habe ich trotz mancher Bedenken das Angebot angenommen. Ich bemerke, dass die Klassen 1a, 2a und 2b am 13. März mit einem schon länger vorgesehenen Transport nach Steinach am Brenner gefahren sind. Ursprünglich war vorgesehen, dass Anfang April noch drei weitere Klassen nach Steinach geschickt wurden, sobald dort ein zweites Hotel, das durch eine Essener Volksschule besetzt war, frei würde. Infolge des Terrorangriffs auf Essen ist aber eine Entscheidung getroffen worden, dass alle Essener Schulen, die sich zur Zeit in der KLV befinden, dort verbleiben sollen. Über die Klassen 5 ist bisher eine Entscheidung nicht gefallen. Die KLV lehnt die Verschickung der Klassen 5 ab, da nach den Bestimmungen der Reichsjugendführung die KLV nur für die Klassen 1-4 bestehe. Da auf der anderen Seite hier in Essen in absehbarer Zeit keine Möglichkeit der Beschulung besteht, halte ich die Lösung der Frage, wie die Klassen 5 der Essener Schulen auswärts unterzubringen sind, für dringend geboten. Es müsste meines Erachtens die KLV auch mit der Unterbringung dieser Klassen beauftragt werden.

Nach etwaiger Verschickung der Klassen 5 würden alsdann die Schüler meiner Anstalt an drei verschiedenen Orten untergebracht sein. Mein Bemühen, die Klassen zusammen in Tirol unterzubringen, ist durch die plötzlich eingetretenen Kriegsbedingungen gescheitert. Der hiesige KLV-Beauftragte, Obergefolgschaftsführer Weber, konnte mir auch keinerlei Zusage geben, dass späterhin die Klassen durch Umlegung in einem Ort wieder zusammengefasst werden können. Ich wäre daher dankbar, wenn vom Oberpräsidium aus ein entsprechender Antrag an die hiesige KLV-Stelle gerichtet würde. Als es seinerzeit hieß, dass die Klassen möglichst geschlossen in deutsches Land, und zwar nach Tirol, sollten, erfolgte eine sehr starke Meldung zur Teilnahme. Jetzt aber, als plötzlich bekannt wurde, dass die Klassen ins Protektorat sollten, zogen viele Eltern ihre Zusage zurück. Soweit ich aus den Äußerungen entnehmen konnte, besteht bei vielen Eltern eine grundsätzliche Abneigung gegen die Verschickung ins Protektorat, anscheinend aus politischen und militärischen Gründen. Ein weiterer Grund ist der, dass die Eltern ihre Kinder nicht auf ungewisse Zeit hin abgeben wollen, ohne dass ihnen die Möglichkeit gegeben ist, die Kinder zu besuchen. Bei manchen Eltern scheinen auch noch religiöse Gründe vorzuliegen, da den Kindern keine Gelegenheit gegeben ist, irgendeinem Gottesdienst beizuwohnen. Mit meiner Vertretung hier in Essen habe ich Studienrat Jansen beauftragt.“

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