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Ereignisse
1934
März

Strategie gegen Eingliederung?

Ein Artikel in der evangelischen Jungendzeitschrift „Die junge Schar“ verdeutlicht im März 1934 eine Doppelstrategie, die seitens der Jungscharleitung kurz nach der Eingliederung der evangelischen Jugendverbände in die Hitlerjugend, eingeschlagen wird. Es wird versucht, die eigenen Überzeugungen und Inhalte mit denen der „Staatsjugend“ zu vereinen. So werden zwei Jungen - einer aus dem Deutschen Jungvolk, der andere aus der evangelischen Jungschar - auf Fotos unmittelbar einander gegenübergestellt und in ihren Leistungen in gleicher Weise gelobt. Ein von Jungscharführer Dr. Horch hochgelobtes Gedicht des Jungvolkjungen verdeutlicht, wie sehr sich die Überzeugungen von Staats- und evangelischer Jugend miteinander vereinen lassen.

In dem Artikel führt „Jungscharonkel“ Dr. Horch aus: „Beide grüßen uns durch Wort und Tat. - Hermann Bührer aus Esslingen sandte mir das Gedicht ‚Die neue Zeit‘. Er will ein Dichter werden, und ich habe ihm etwas geholfen, in dem ich die richtigen Worte in seinen Dreiklang brachte. Hermann sagt denen, die es noch nicht wissen, dass wir in unseren Jungscharen echte deutsche Jungs sind. Sieg Heil! dir, Hermann Bührer - und: Mutig voran! - Der andere Junge - es ist der, der unter dem Ankerkreuz sitzt, hat eine gute Tat für unsere Sache getan. Er könnte wohl der Bruder von 'Peter Fröhlich' sein, so sieht er aus; und ich habe die Meinung, dass er ein frisch-fröhlicher Bub ist. Gelt, hab ich recht. Nun endlich, wer ists? Es ist Walter Fränklein aus der Jungschar des CVJM Stuttgart, Heslach. Und 'was hat er getan? Wie ward es kund?' Er hat für unsere Sache bei dem jungscharnotopfer eine Summe auf den Kopf gesammelt - na ich will sie nicht nennen, damit der Walter nicht schamrot wird - aber das will ich sagen: einen ganzen, ordentlichen Anzug könntest du dir für dieses Geld kaufen. Auch unserem Walter ein kräftiges ‚Sieg Heil!‘ - und 'Mutig voran! Gott segne Euch, ihr lieben Jungen!

Der Jungscharonkel“

Das oben erwähnte Gedicht des DJ-Jungen ist zwischen den Fotos der beiden Jungen abgedruckt und besteht aus folgenden Versen:

„Die neue Zeit

Nun ist erstanden die Heldenhand,
die Deutschland befreit hat von Not und Schand`.
die Feinde, sie raubten uns Ehr und Gut,
doch Deutschland verzagte nicht und fasste Mut.
Deutschland erwachte!

Die Feinde, sie warfen auf Deutschland den Blick,
und rissen ab von ihm Stück um Stück.
Wo bist du deutsche Heldenzeit?
Wo bist du deutsche Herrlichkeit?
Deutschland erwache!

In dieser großen Seelennot
schrie Deutschland zum allmächigen Gott: 'Errette uns!'
Und Gott, er sandte die Hilfe schon,
die Trotz allem feindlichen Hohn
Deutschland erweckte.

Und fragst du wer der ist,
der Deutschland errettete nach langer Frist?
Adolf Hitler! So schallt aus jedem Munde,
Adolf Hitler - so klingt die frohe Kunde-
Er rief Deutschland wach!“

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