Westbund lehnt Verhandlungen ab
Die Westbund-Führung lässt einen Monat verstreichen, bis der stellvertretende Westbund-Bundeswart Johannes Busch am 27. August 1934 dem Ansinnen von Landesjugendpfarrer Voß zur Wiederaufnahme von Verhandlungen eine deutliche Absage erteilt, da sich der Westbund außerstande sehe, „irgendwelche Verhandlungen zu pflegen, da es uns … völlig unmöglich ist, unser Werk bischöflicher Gewalt zu unterstellen“.
Voß lässt jedoch nicht locker und startet mit einem Schreiben an Johannes Busch bereits am 31. August einen neuerlichen Versuch. Darin heißt es u.a.:
„Es geht nur um eine Frage: Sind die Verbände gewillt, den heute allein möglichen Weg der gemeindeverankerten und von der Gemeinde getragenen Jugendarbeit mitzugehen? Sind die Verbände gewillt, sich hier im Westen wenigstens mit uns Landesjugendpfarrern an einen Tisch zu setzen um einen Weg der gemeinsamen Arbeitsmöglichkeit zu finden? Als Beauftragter des Obergebietes West kann ich für das Wollen der Landesjugendpfarrer garantieren: Im Rheinland stehe ich dafür gerade, in Westfalen Fiebig, Zickmann und Dr. Wilkes, in Hessen Kassel Lic.Schäfer, in Hessen wird Haaß nicht Nein sagen.
Wie wäre es, wenn wir für den Westen eine Sonderregelung fänden? Wenn wir eine Regelung fänden, die beiden Seiten Arbeit gäbe? Wenn Sie Nein sagen, dann weisen Sie mir nach, dass die oben genannten Landesjugend [Fehlstelle] irgendwie das Evangelium verkürzt haben!
Eine Sonderregelung würde vom Reichsjugendpfarrer anerkannt, wenn wir im Westen zusammenstehen, dann möchte ich den sehen, der unsere gemeinsame Front durchbrechen könnte. Verstehen Sie aber den Vorschlag bitte nicht als Sonderaktion gegen den Reichsjugendpfarrer. Ich weiß, dass Bruder Zahn nichts dagegen sagen würde, weil es in der Linie seines Wollens liegt, wie überhaupt in der Linie vieler Landesjugendpfarrer. Ich habe die Vollmacht, solche Verhandlungen zu führen, zwar nicht für diesen Fall, von dem er nichts weiß; er gab die Vollmacht mir generell für den Westen im Mai ds. Jahres, als ich Ihnen noch einmal schrieb.
Lieber Bruder Busch, ich reiche Ihnen nochmals die Hand. Nicht aus einem Schwächegefühl heraus - bitte, urteilen Sie nicht so -, sondern aus dem ehrlichen Wollen, endlich zu wirklicher, kraftvoller Arbeit für Jugend und Gemeinden zu kommen. Wenn wir uns an einen Tischsetzen, werden wir eine Form finden.“
Wie bereits am 27. August fiel auch die neuerliche Antwort am 24. September 1934 von Johannes Busch klar und deutlich ablehnend aus. Er teilt Voß mit: „Ich muss Ihnen noch einmal schreiben, dass eine Verhandlung zwischen Ihnen und uns durchaus zwecklos ist, weil entscheidende Dinge uns trennen. Ihre ganze Arbeit steht unter der Obhut und dem Schutz des derzeitigen Reichskirchenregiments. das von der wahrhaftigen Kirche Jesu Christi auf das Entschiedenste abgelehnt werden muss. Ich brauche in diesem Schreiben nicht des näheren auszuführen, welch ein abgrundtiefer Riss uns von diesem Reichskirchenregiment trennt; aber wir können nicht mit einer Kirchenleitung zusammen arbeiten, dem wir den Vorwurf der Irrlehre und Gewalttat machen müssen. Sie fragen mich, was wir gegen Sie, Fiebig, Zickmann und Wilkes einzuwenden haben. Wir denken gar nicht daran, einzelne persönlich anzugreifen, sind es aber unserem Gott und unserem Gewissen schuldig, klar Front zu machen gegen ein kirchliches Regiment, dessen Rechtswalter erst jetzt noch in Stuttgart verkündigt hat, dass Ziel all ihrer Arbeit die Beseitigung der Konfessionen und die Aufrichtung der Nationalkirche sei. In dem Augenblick, wo Sie klar sich scheiden von diesen Leuten, deren Ziel die Beseitigung des reformatorischen Erbes ist, sind wir zu jeglicher Aussprache bereit. Solange Ihre Arbeit aber noch in Verbindung und unter der Obhut des Reichsbischofs geschieht, ist auch jede ‚Sonderregelung‘ völlig zwecklos.
Ich weiß, dass wir mit dieser Stellung einer sehr schweren Zukunft für unser Werk entgegengehen. Das darf uns aber nicht abhalten, den Weg des Gehorsams zu Ende zu gehen. Das Reich Gottes wird dennoch gebaut werden, dessen sind wir ganz gewiss und gehen darum fröhlich den Weg des Glaubens weiter.“
Damit ist eine Neuaufnahme von Verhandlungen gescheitert.