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Ereignisse
1934
Januar

Jugendpfarrer erläutert Eingliederung in HJ

Am 20. Januar veröffentlicht die Kölnische Zeitung in ihrer Beilage „Junge Nation“ die Inhalte eines Gesprächs mit Provinzialjugendpfarrer Theodor Voß, dass sich um die Eingliederung der Evangelischen Jugend in die HJ dreht.

Voß führt aus, DER VOM Reichsbischof berufene Reichsjugendpfarrer Zahn habe seinerseits in den HJ-Obergebieten Pfarrer „mit der Vorbereitung der Eingliederung betraut“. Er selbst sei mit dieser Aufgabe im Obergebiet West beauftragt und zugleich vor die Aufgabe gestellt worden, „den Neubau der evangelischen Jugendarbeit in die Hand zu nehmen“. „In jedem der Gebiete des Obergebiets west ist mir ein Jugendpfarrer, der nach Möglichkeit Parteigenosse ist, für die Vorbereitungen verantwortlich. Diese ‚Gebietspfarrer‘, wie ich sie nennen möchte, haben wiederum für die einzelnen Synoden Pfarrer bestimmt, und diese in den Gemeinden je einen Vertrauensmann für die Verhandlungen mit der Hitler-Jugend und dem BDM. Die Vorbereitungen werden im gesamten Obergebiet West nach einheitlichen Richtlinien und in einer zentral aufgebauten Organisation getroffen, damit Einzelaktionen vermieden werden. Die organisatorischen Vorbereitungen müssen innerhalb von 14 Tagen vollendet sein, damit wir bereit sind, wenn der Reichsjugendpfarrer den Befehl zur Eingliederung des Evangelischen Jugendwerks für das ganze Reichsgebiet erteilt.“

Die evangelische Jugendarbeit, so fährt Voß auf eine entsprechende Frage fort, werde „mehr denn je Sache der Gemeinden“: „Die evangelische Jugend bis zum 18. Lebensjahr geht zur HJ. An den vertraglich festliegenden Wochentagen und an den Sonntagen sucht die Gemeinde ihrer Jugend, für die sie verantwortlich ist, zu dienen“, wobei der Provinzialjugendpfarrer den Jugendverbänden immerhin zugesteht, dass sie, „wenn sie dazu bereit sind, im Auftrag der Gemeinde weiter arbeiten“ könnten.

Auf die Frage, ob in mehreren Städten Flugblätter gegen das Abkommen vom 19. Dezember 1933 verteilt worden seien, räumt Voß ein, dass „kritische Stimmen“ laut geworden seien. Er selbst halte es allerdings „für eine böswillige Unterstellung, wenn gesagt wird, dass die Hitler-Jugend ihre Mitglieder vor dem Dienst nicht zum Kirchgang beurlauben werde“. Er fordert „guten Willen“ ein und hält den Kritikern vor, sie würden der Reichsjugendführung „bösen Willen“ unterstellen und dadurch zeigen, dass sie „an dem Erlebnis des Nationalsozialismus nicht“ teilhätten. Die Jugendverbände möchten ihren bisherigen „Machtbereich“ nicht aufgeben und daher auf alten Formen beharren. „Aber jeder wird begreifen, dass die Kirche nach der nationalsozialistischen Revolution neue Formen für ihre Arbeit suchen muss.“ Daher hätten sich die Verbände in ihrer Arbeit auf die religiösen Aspekte zu beschränken und die Jugendseelsorge ausbauen.

Voß machte mit Blick auf die betroffenen Jugendlichen „psychologische Schwierigkeiten“ aus: „Sie müssen sich einmal in die Lage der Jungen und Mädel hineindenken, die innerhalb eines Monats in die Hitler-Jugend eingegliedert werden sollen. Seit Monaten haben sie auf das Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Reichsjugendführer und dem Reichsbischof gewartet. Aus Treue gegenüber ihrer Kameradschaft und ihrem Bunde, auf Rat der Eltern usw. wollten sie nicht für sich selbst eine Entscheidung treffen, die nach ihrer Ansicht in kurzer Zeit für alle ihre Verbände gefällt werden musste.“ In dieser Hinsicht hätten der Eingliederungsvertrag und die Neujahrsbotschaft des Reichsjugendführers „eine Befreiung von lähmender Ungewissheit“ gebracht. „Aber leider wird gelegentlich die bisherige Arbeit der evangelischen Verbände und das Opfer ihrer Selbständigkeit, das sie heute bringen sollen, noch nicht so anerkannt, wie das Baldur von Schirach in seiner Neujahrsansprache getan hat. Stellen Sie sich vor: Unsere Jungen und Mädel müssen eine alte Kameradschaft aufgeben und hören in dieser schmerzlichen Stimmung von irgendeinem Unverantwortlichen, wie er die bisherige Arbeit des Evangelischen Jugendwerks herabsetzt und die einzelnen Mitglieder, nur weil sie ihren Bünden die Treue gehalten haben, als reaktionäre oder so ähnlich bezeichnen! Wie häufig kann dieser erste Eindruck, der entscheidend sein müsste, abschreckend wirken! Derartige Vorkommnisse, wie sie mir berichtet worden sind, liegen nicht im Sinne des Reichsjugendführers.“

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