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Ereignisse
1934
Januar

Katholische Heimschule geschlossen ins Jungvolk

Am 6. Januar 1934 teilt die „Heimschule St. Michael“ im Elternbrief mit, dass die Schüler geschlossen ins Jungvolk eintreten würden. „Wir haben uns entschlossen, uns mit der ganzen Schule in die Bewegung hineinzustellen und unsere Jungen, soweit die Eltern sich nicht ausdrücklich dagegen erklären, in das Jungvolk einzugliedern.“ Zu diesem Schritt, so legt der Rundbrief eindringlich dar, gebe es keine Alternative, denn die sicherlich existierenden Gegensätze zwischen den Weltanschauungen könnten künftig „nur noch innerhalb, nicht mehr außerhalb der Bewegung ausgetragen werden“.

Die Identifikation mit dem neuen Regime geht offenbar recht problemlos über die Lippen der Schulbrüder. „Wie wir unter der alten Regierung gemeinsam in Ehre das blaue Hemd [der Heimtracht] als Protest gegen alles Faule und als Symbol neuen Werdens getragen haben, so werden wir jetzt das braune tragen. Der Nationalsozialismus bringt uns das, was wir mit dem besten Teil unseres Wesens ersehnten, oder er bringt uns nichts.“ Man bleibe in jedem Fall auch künftig, was man stets gewesen sei: „treu deutsch und treu katholisch“.

Dieser Schritt wird mit Forderungen verknüpft, die dem am 16. Januar 1934 auf der Drachenburg weilenden HJ-Gebietsführer Wallwey unterbreitet werden: So sollen die Jungvolk-Mitglieder der Schule eine eigene Formation bilden, deren Führer mit Zustimmung der Heimleitung ernannt werden sollte und deren „innerer Betrieb“ ungestört von äußeren Einflüssen ablaufen sollte. Dabei legte man durchaus Wert auf Äußerlichkeiten. Die Eltern wurden nachdrücklich aufgefordert, soweit noch nicht geschehen, ihre Söhne mit Jungvolkuniformen auszustatten, damit sie sich „als schneidige Schar in das Deutsche Jungvolk“ einreihen könnten. Damit nicht genug: Man möge doch bitte „Maßanfertigungen“ bevorzugen und von „Konfektionsware“ absehen, um den gewünschten Effekt erzielen zu können.

Zunächst gestaltet sich die Kooperation mit der HJ offensichtlich recht reibungslos. Die Drachenburg-Formation des Jungvolks nahm am Aufmarsch anlässlich des 1. Mai 1934 in Königswinter ebenso teil wie sechs Tage später an einem HJ-Aufmarsch auf der Insel Grafenwerth. Auch der auf montags und mittwochs terminierte „Dienst“ verlief zunächst reibungslos.

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