HJ-Werbekundgebungen im Rheinland
Im Rheinland finden am 27. und 28. Mai 1934 zahlreiche Werbekundgebungen der HJ statt, die zusammen mit der Partei, der NSV, der NSBO und der Nationalsozialistischen Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisationen (NS-Hago) durchgeführt werden.
Im Kölner Vorort Bickendorf findet im Hermann-Göring-Haus Ende Mai 1934 eine große HJ-Kundgebung statt, an der alle Schulklassen aus Bickendorf und Bocklemund nebst ihren Lehrern teilnehmen. Hauptredner der Veranstaltung ist Gauredner Graff, der die Jugendlichen mit der "Idee der HJ" vertraut macht. Auch die dienstälteste Lehrerin, Frl. Jansen, hält eine kurze Ansprache.
Abends wird an gleicher Stelle eine öffentliche Versammlung der Ortsgruppe der NSDAP durchgeführt, auf der sich Graff über "Miesmacher und Muckertum" auslässt.
Auch die Ortsgruppen Stadtwald und Leiblplatz führen eine Werbeveranstaltung durch. Redner ist hier Gebietsführer Wallwey, der vor allem die Kreise angreift, die "unter dem Deckmantel der Religion und Menschlichkeit" behaupten, die HJ würde die Jugend politisch verhetzen. Dies wird von Wallwey zurückgewiesen und betont, die Erziehung richte sich nach der "Aufnahmefähigkeit dem Alter entsprechend". So würde das Jungvolk zu "Ordnung und Betätigung" angehalten mit dem Hauptziel der "Ertüchtigung des Körpers". Der BDM hingegen sei für die "Erziehung zur kommenden Frau" da.
Bei der Werbekundgebung der HJ in der Kölner Harmonie ruft der Studiendirektor des Apostelngymnasiums dazu auf, die Schüler außerhalb der Schule in der HJ zusammenzuführen. Hauptredner des Abends ist der Lehrer und Pg. Heuser, der schon 1928 Mitglied der HJ war. Seinerzeit sei die HJ verhöhnt worden, von der Schule verwiesen und von der Polizei niedergeknüppelt worden. Die HJ sei nun die Zukunft Deutschlands, und die Kinder, sofern sie noch nicht HJ-Mitglied seien, sollten ihre Eltern immer wieder auffordern, ihnen das Braunhemd zu kaufen.