Deutschland-Berichte der Sopade zur "Jugend im Dritten Reich"
Im Oktober 1934 heißt es in den Deutschland-Berichte der Sopade zum Thema "Jugend im Dritten Reich":
„Es gehört zum politischen System des Faschismus, dass er die Jugend in staatlichen Verbänden organisiert, sie von früh auf militarisiert und in seinem Sinne politisiert. Italien ist auf diesem Wege vorangegangen, Deutschland folgt nach, auch auf diesem Gebiet bemüht, sein Vorbild an Tempo und organisatorischer Aufblähung zu übertreffen. Hitler hat in seiner Schlussrede zum Nürnberger Parteitag deutlich gesagt, was sieh die Nationalsozialisten von der so faschistisch durchorganisierten Jugend erhoffen:
‚Eine junge Generation wächst heran, der die Infektion unserer parteipolitischen Vergiftung, das Verkommene unseres parlamentarisch-demokratischen Systems als Selbsterlebnis fehlen und damit fremd und von vornherein unverständlich sind. Wenn die älteren Jahrgänge noch wankend werden könnten, die Jugend ist uns verschrieben und Verfallen mit Leib und Seele. Sie lebt in diesem stolzen Deutschland des Hakenkreuzes und wird es niemals mehr aus ihrem Herzen reißen lassen. Sie liebt die Eindeutigkeit und Entschlossenheit unserer Führung und würde nicht verstehen, wenn plötzlich eine mumifizierte Vergangenheit mit Aussprüchen kommen wollte, die schon in der Sprache einer fremden Zeit entstammen, die heute nicht mehr geredet und verstanden wird ... Aus ihren Reihen werden wir den besten Nachwuchs finden für die Nationalsozialistische Partei. Sie sehen wir von Kindheit an wachsen und sich entwickeln. Prüfen können wir das Wesen, und die Art der einzelnen verfolgen und endlich auswählen, was uns am würdigsten erscheint, in die Reihen der alten Garde nachzurücken.’
Es ist die Aufgabe der faschistischen Jugenderziehung, eine neue Generation heranzubilden, die die politische Vergangenheit, ihre Ideale und ihre Leistungen nur noch aus dem Zerrspiegel ihrer Lehrmeister kennt, eine Jugend, die sich als erste rein nationalsozialistische Generation fühlt, aus der die künftige Führerschicht herauswachsen soll. Die Mittel, die die Nationalsozialisten anwenden, um diese Aufgabe zu erfüllen, liegen im Wesentlichen auf drei Gebieten: 1. in der Hitler-Jugend, 2. in der Schulpolitik, 3. in der Hochschulpolitik.“
An anderer Stelle wird konstatiert: „Die Urteile unserer Berichterstatter über die Erfolge der Hitler-Jugend, über die Stimmung unter den Jugendlichen usw. schwanken genau so wie auf den anderen Gebieten.“