Werbung für Waffen-SS in RAD-Lagern
Am 15. Mai 1943 berichtet Reichsführer SS Himmler an den Leiter der Parteikanzlei, Martin Bormann, über eine Großwerbeaktion der Waffen-SS in RAD Lagern:
„Lieber Martin!
In der Anlage übersende ich Dir einen ganz vertraulichen Bericht über unsere Erfahrungen bei der Ausmusterung des Jahrganges 1925 in den Reichsarbeitsdienstlagern, die, wie Du weißt, vom Führer zur Aufstellung der beiden neuen Divisionen, der 9. und 10. SS-Division, für den Westen befohlen war.
Mit der Reichsjugendführung haben wir an sich schon die beste Fühlung. Ich halte den Bericht aber für so wichtig, dass ich ihn Dir nicht vorenthalten sollte.
Das Gesamtergebnis ist für mich die sichtbare und planmäßige Vergiftung der Jugend unseres Volkes durch die christliche Erziehung, der wir offenkundig in der Jugend nicht genügend an positiver weltanschaulicher Erziehung, gerade jetzt im Kriege, gegenüberstellen. (...)
Herzliche Grüße und Heil Hitler!
Dein
gez.: H. Himmler“
„Zusammenfassung der Berichte.
Über den Einsatz von SS-Führern als Redner anlässlich der RAD-Aktion liegen 23 berichte vor. Aus ihnen ist fast übereinstimmend folgendes zu entnehmen.
1. Material der Freiwilligen
Die körperliche Verfassung ist im Durchschnitt schlechter als vor dem Kriege. Die Ursache liegt nicht in einer schlechten Ernährung, sondern in der frühzeitigen Heranziehung der Jungen, insbesondere aus der Landwirtschaft zu übermäßig schweren Arbeiten. Die körperliche und rassische Auslese ließ von vornherein einen nicht unerheblichen Prozentsatz (40%) für die Werbung ausscheiden.
Geistige Haltung ist schlecht. Unverkennbare Einflüsse durch das Elternhaus, Kirche usw. machen sich bemerkbar. Grundsatz: wenn ich gezogen werden, kann ich es nicht ändern, freiwillig gehe ich nicht. Angst vor den Eltern und dem Pfarrer. Aber auch Angst vor einem Einsatz. Es kam vor, dass die Gemusterten weinten und sich andererseits freuten, wenn sie nicht kv geschrieben werden konnten.
2. Aufnahmebereitschaft für die Werbung der Waffen-SS
Gerüchte über die hohen Verluste der Waffen-SS, ihren Einsatz an Brennpunkten, scharfer Drill in der Ausbildung, schlechte Aufstiegsmöglichkeiten und Pflicht zum Austritt aus der Kirche, waren ausschlaggebende Beweggründe, nicht als Freiwilliger zur Waffen-SS zu gehen. Die Ursache für diese Gerüchte sind in der Gegenpropaganda durch die Geistlichkeit, aber auch durch Erzählungen von SS-Angehörigen selbst zu suchen. Ergebnis der Prahlsucht!
3. Unterstützung der Werbung
Fast alle Berichter, auch alte HJ-Angehörige, stellen ein restloses Versagen der HJ fest. Es fehlt bei den Jungen am Idealismus und am Verständnis für die Größe unserer Zeit und des Einsatzes. Gut war die Unterstützung durch den RAD.
Anerkennenswert die Einsatzbereitschaft der Kommissionen.
4. Erfordernis:
1. Vergrößerung der Werbung.
2. Verschärfung des Verbotes an die SS-Angehörigen, über angeblich hohe Verluste und schwerste Einsätze zu prahlen.
3. Mitteilung des Ergebnisses und der Feststellungen anläßlich der Werbung an die Reichsjugendführung.
4. Propaganda- und Bildmaterial an die RAD-Lager.
5. Wiederholte Einsätze von Rednern, insbesondere dekorierte Frontführer mindestens EK I.
6. Sorgfältige Überwachung der auf Grund der jetzigen Werbung Gezogenen, damit sie entsprechend ihren Leistungen gefördert werden.“