Lagebericht des Regierungspräsidenten Schleswig zur HJ
In seinem Lagebericht für Juli 1934 berichtet der Regierungspräsident für den Regierungsbezirk Schleswig:
„Hitlerjugend.
In der Nacht vom 29. zum 30. Juli 1934 ist das Lager des Landesjugendpfarramts Kiel auf der Insel Nordstrand von Insassen des gleichfalls auf der Insel befindlichen Hitlerjugendlagers Hessen und einiger Nordstrander Hitlerjungens überfallen worden. Der Angriff erfolgte planmäßig. Mit den Fahrtenmessern wurden sämtliche Befestigungsschnüre der Zelte der Kieler durchschnitten und die Zelte umgeworfen. Bei der sich darauf entwickelnden Schlägerei -wurden verschiedene Hessenjungs verletzt. Die Namen der Beteiligten sind festgestellt worden. Zwei Scheintodpistolen wurden sichergestellt. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung übergeben. Der Vorfall hat auf der Insel Nordstrand unter den Einwohnern Empörung hervorgerufen, zumal die Hessische Hitlerjugend sich auch sonst auf der Insel durch verschiedene Streiche unbeliebt gemacht hatte.
Im Landjahrheim Stellingen, das mit 60 Jungen belegt ist, hat sich der Helfer und Scharführer der Hitlerjugend B. an über 20 Jungen vergangen. Als der Heimleiter von dem Verbrechen § 174,176 StGB, erfuhr, veranlasste er die sofortige Verhaftung des B. B. hat darauf in seiner Zelle im Gerichtsgefängnis in Pinneberg durch Erhängen Selbstmord verübt.
Aus diesem Anlass erscheint es mir erforderlich, dass bei der Auswahl der Hitlerjugend-Führer noch mehr als bisher ein äußerst strenger Maßstab angelegt wird, damit solche Vorkommnisse in Zukunft unter allen Umständen unterbleiben.“