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Ereignisse
1934
April

HJ-Führertagung des Gebiets Mittelrhein

In der Großen Messehalle in Köln-Deutz findet am 29. April 1934 eine Führertagung des Gebietes 11 Mittelrhein statt, an der alle Führerinnen und Führer aus JM, BDM, JV und HJ teilnehmen. Die Eröffnung der Tagung übernimmt Stabsführer Wasserloos, anschließend spricht Gebietsführer Wallwey über die kommenden Aufgaben der HJ. Hier formuliert er nicht nur den Totalitätsanspruch der HJ innerhalb der außerschulischen Jugenderziehung, sondern gibt auch über den Plan bekannt, dass die HJ zukünftig das gesamte Turn- und Sportwesen der Volksschulen in die Hand nimmt.

Nach Wallwey erinnert Obergauführerin Rohlfing an die Augusttage des Jahres 1914, in denen auch die "deutsche Frau Gelegenheit gehabt [habe], ihren Heldenmut und ihre Opferbereitschaft unter Beweis zu stellen". "Volksfremde Elemente" hätten jedoch diese "schicksalsverbundene Gemeinschaft von opferbereiten deutschen Menschen" zerstört. Im BDM wolle man nun wieder "jene Front von opferbereiten Frauen und Mädchen errichten". Seine Aufgabe sei es, noch "Fernstehende" in den Frauenorganisationen zu erfassen und sie mit "nationalsozialistischem Gedankengut" zu erfüllen.

Im Anschluss hält Gauleiter Grohé eine pathetische Rede, in der er an die "Schande der Nachkriegszeit" erinnert und die "jahrzehntelange marxistische, liberalistische oder konfessionelle Erziehung" kritisiert. Scharf geht er mit den "Zentrumsgeistlichen, die vor der Machtübernahme ihr Priesterkleid und die Kanzel zu politischer Verleumdung und Verhetzung missbrauchten" ins Gericht und beklagt, dass diese heute wieder "Oberwasser" hätten. Insbesondere wirft er der Kirche vor, beim "Kampf gegen den Bolschewismus" nicht "brüderlich an der Seite des Nationalsozialismus" gestanden hätte, sondern diesen statt dessen "sabotiert" zu haben. Dennoch habe der Nationalsozialismus die grundsätzliche Einstellung, den Religionsgemeinschaften "staatlichen Schutz und Freiheit" zu gewähren. Er beklagt jedoch die "konfessionelle Zerrissenheit" und fordert, dass das "gemeinsame Deutschtum" im Vordergrund stehen müsse: "Es braucht durchaus nicht mit Geringschätzung der Kirche zu tun haben, wenn man angesichts der Verhältnisse in Deutschland verlangt, dass die trennenden Momente der Konfessionen überbrückt werden müssen in unserm deutschen Volkstum." Die nationalsozialistische Politik dürfe daher "nur eine deutsche und keine katholische oder evangelische sein". Es dürfe daher keine politische Betätigung der Kirchen geben. Auch könne nicht hingenommen werden, dass die Kirche gegen den Staat und seine Träger eintrete. Daher appelliert er an die Kirchen: "Wir wären glücklich, wenn auch die Vertreter der Kirche vom Rhythmus des neuen Deutschlands erfasst und uns in Zukunft Auseinandersetzungen mit ihnen ersparen würden."

Nach Grohé fordert Obergebietsführer Lauterbauch in seinem Schlusswort dazu auf, "im Geist der Toten weiter zu marschieren, zu kämpfen in der gleichen Weise wie in den Tagen der härtesten Opposition".

Im Anschluss findet ein Propagandamarsch durch die Hauptstraßen Kölns und ein Vorbeimarsch an Grohé, Lauterbacher, Wallwey und Rohlfing statt.

Die Führertagung soll den Auftakt zu einer großen Propagandaaktion der HJ in den folgenden Wochen bilden, mit der die HJ um neue Mitglieder werben möchte.

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