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Ereignisse
1934
Januar

Kirche in Köln-Zollstock mit kirchenkritischen Plakaten beklebt

Kirche und Pfarrhaus der Pfarre St. Pius in Köln-Zollstock werden in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 1934 von der HJ mit Plakaten beklebt, auf denen Generalsekretär Wolker beleidigt wird (vermutlich die Plakte "Herr Generalpräses, erzählen Sie uns ihre Witze"). Zudem bringt die HJ an Häusern und auf der Straßen Parolen an, darunter ein durchgestrichenes Christuszeichen und die Worte "PX krepiert, HJ marschiert".

Pfarrer Nießen [Name unleserlich] fordert daraufhin in einem Schreiben an den Kölner Polizeipräsidenten vom 30. Januar, die Schuldigen aus der Zollstocker HJ, darunter die Brüder With, zur Rechenschaft zu ziehen, "damit derartige Beleidigungen in Zukunft vermieden werden". Dabei betont er, dass er und seine katholische Jugend bisher noch nie etwas gegen die HJ unternommen hätten und nie eine "unfreundliches Wort" gegen sie gesagt hätten. Sie hätten nur den Wunsch, mit "unseren deutschen Brüdern in Frieden zu leben".

Nach dem Vorfall lässt Gebietsführer Wallwey in einem Artikel im Westdeutschen Beobachter unter der Überschrift "Hitler-Jugend kämpft mit offenem Visier" mitteilen: "Zu der eingegangenen Meldung aus dem südlichen Stadtteil betr. das Beschmieren von Häusern mit Anschriften  gegen konfessionelle Jugendbünde können wir mit Genugtuung feststellen, dass hier Angehörige der Hitler-Jugend nicht in Frage kommen."

Demgegenüber stellt der Pfarrer von St. Pius in einem weiteren Brief an den Polizeipräsidenten vom 30. Januar 1934 fest, dass der HJ-Führer Fritz Gänzler [Name unleserlich] aus Zollstock zugegeben habe, die Schmierereien angeordnet zu haben. Er habe jedoch nicht befohlen, Häuser und Wände zu beschreiben, sondern Pflaster und Bürgersteige. Dies sei auch "gründlich besorgt" worden, daneben jedoch auch Hauswände beschmiert worden.

Die Schar habe die ganze Nacht gearbeitet, gegen 7 Uhr morgens habe ein Zeuge unter ihnen die Brüder With erkannt und angesprochen.

Daher bitte er um eine "gründliche Untersuchung", damit nicht Unschuldige der Tat bezichtigt würden. Die für Sonntag geplante Kundgebung der HJ solle wohl die Unschuld der HJ beweisen.

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