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Ereignisse
1934
Januar

Polizei untersagt Theateraufführung der Jung- und Sturmschar Spich

Die Jung- und Sturmschar in Spich führt am Sonntag, den 28. Januar 1934 eine Generalprobe eines Theaterstückes über den "heroischen Kampf mexikanischer Katholiken gegen ihre gottlosen Verfolger" auf, als plötzlich Polizei erscheint und die Veranstaltung wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" schließen zu müssen. Obgleich die Veranstaltung nicht nur behördlich genehmigt ist, sondern im Saal auch nach Einschätzung des Polizisten "Ruhe und Ordnung" herrscht, wird die Aufführung abgesagt.

Kurze Zeit später erscheinen 60 bis 80 auswärtige HJ-Mitglieder und verschaffen sich Zutritt zum Pfarrhaus und in das Elternhaus eines der katholischer Jugendführer, wo sie Durchsuchungen vornehmen möchten und die Herausgabe von Fahnen verlangen.

Über den Vorfall verfasst Pfarrer Werr einen Bericht an das Erzbischöfliche Generalvikariat, in dem er sein Unverständnis über das Verbot äußert. Die Arbeit der katholischen Verbände sei durch das Konkordat geschützt, und das Theaterstück sei als eine "Verurteilung der intoleranten, verfolgungssüchigen Gottlosenbewegung, die von unserer Regierung auch in Deutschland ausgerottet werden soll" gedacht gewesen.

Er wundere sich jedoch nicht über das Verhalten der HJ, da diese von ihren Führern hören müsse "Schont die Jungen, zertrampelt aber die Führer wie Geschwüre, sie gehören ins Konzentrationslager".

Verstehen könne er das Verhalten "angesichts des Ministerialerlasses vom 8.11.33" jedoch nicht, dem zufolge bei "offenkundigen Übergriffen und undiszipliniertem Verhalten der HJ die Polizei einzugreifen verpflichtet" sei. Daher hätte die Polizei die HJ "in ihre Schranken zurückweisen und eine genehmigte religiöse und durch ihren Heroismus vaterländisch wirkende Aufführung in ihrem ruhigen Verlauf schützen sollen".

Werr fügt kritisch hinzu:"Wenn die Polizeiverwaltung glaubt, die Aufführung untersagen zu müssen, weil sie in der HJ Beunruhigung befürchtet, so frage ich, ob es gleichgültig sein kann, dass jetzt durch diese Vorgänge Beunruhigung und Empörung in der katholischen Bevölkerung entstanden ist." Er bestehe darauf, dass die Aufführung nachgeholt werden könne.

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