HJ in Monschau fordert Totalität und verhöhnt Geistliche
In Monschau findet am 20. April 1934 eine Versammlung der HJ und anderer Verbände der NSDAP anlässlich von Hitlers Geburtstag statt. Redner ist unter anderem Gebietsführer Albrecht Wallwey, der ausführt, dass die „im deutschen Volk geschaffene Einheit durch Wühlmäuse gefährdet“ sei, die es vor allem auf die HJ abgesehen hätten. Sie wollten neben der HJ noch andere Verbände haben, doch müsse man ihnen absprechen, im „neuen Staat“ die Jugend zu führen. Sie seien nicht einmal imstande, „wahrgemäß Gottes Wort zu predigen“ und müssten erst einmal „den Schweinehund bei sich selber ablegen“. Alle anderen Verbände müssten verschwinden, der Nationalsozialismus verlange „unbedingte Totalität“.
Bereits am Morgen des Tages wurden Plakate auf dem Markt aufgehängt, die unter Verächtlichmachung der katholischen Geistlichkeit für die HJ-Zeitschrift „Die Fanfare“ warben. Auf einem dieser Plakate wird ein geistlicher Würdenträger im Prälatenhut gezeigt, daneben ein „gesättigter Bürger“, darüber die Überschrift „Fanfare gegen Mucker und Spießer“. Ein weiteres Plakat zeigt einen Gelehrten am Schreibtisch, daneben einen Geistlichen und darüber die Worte „Lest die Fanfare gegen Reaktion“. Auf einer dritten Fassung stehen zwischen einem Esel und einer Frau des Typs „Fromme Helene“ (nach Wilhelm Busch) die Worte „Wir lesen die Fanfare nicht“.
Pfarrer Roeben von der katholischen Pfarre in Monschau berichtet die Vorfälle am 2. Mai 1934 an das Bischöfliche Generalvikariat in Aachen und kommentiert: „Dass diese Karikaturen, die angeblich in verschiedenen westdeutschen Städten unbeanstandet ausgehangen haben, im Sinne der Aussteller werben, ist kaum anzunehmen; eine gegenteilige Wirkung ist wahrscheinlicher, da die katholische Bevölkerung durch die Verhöhnung ihrer kirchlichen Führer sich in ihrem religiösen Gefühl in brutaler Weise verletzt fühlt, wenn auch der Einzelne unter den gegebenen Verhältnissen keinen öffentlichen Protest wagt.“ Dennoch könne es nicht hingenommen werden, „dass man die Autorität in der Jugend untergräbt, in der Bevölkerung Unruhe stiftet“ zumal in einem Ort „an der der äußersten Westgrenze des Deutschen Reiches, wo täglich Ausländer verkehren, dem Ansehen des deutschen Volkes ein nicht wieder gutzumachender Schaden zugefügt“ werde.
Pfarrer Roeben entwirft daher eine Stellungnahme, die er gerne am folgenden Sonntag von der Kanzel verlesen möchte und dem Bischöflichen Generalvikariat zur Genehmigung schickt. Darin wendet er sich gegen die „Verhöhnung religiöser Gefühle der katholischen Bevölkerung“ durch die Karikaturen und stellt klar, dass dies vom „katholischen Volke“ nicht hingenommen werden könne. Und wenn es der Gemeinde nicht möglich sei, selbst dagegen Einspruch zu erheben, müsse er dies als „vor Gott verantwortlicher Hirte seiner Gemeinde“ übernehmen. Denn durch diese Karikaturen würde das religiöse Empfinden der Katholiken tief verletzt, sie schadeten der „Volksgemeinschaft“, der „Erziehung der Jugend“ und dem „Ansehen des deutschen Volkes bei den unsere Stadt besuchenden Ausländern“.
Das Bischöfliche Generalvikariat hat mit Schreiben vom 4. Mai 1934 gegen den Entwurf von Pfarrer Roeben nichts einzuwenden.