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Ereignisse
1934
Januar

Überfälle der HJ auf katholische Vereine in Stolberg mehren sich

In Stolberg mehren sich im Januar 1934 die Überfälle auf Mitglieder der katholischen Vereine, verbunden mit Schlägereien und Belästigungen, in einer Art, dass der Bericht der Vereine an das Bischöfliche Generalvikariat vom 26. Januar 1934 eine ganze Liste umfasst:

-          Am Donnerstag, den 11. Januar 1934 dringen die beiden HJ-Führer Karl Brammertz und Karl Jussen mit 20 Jungvolkjungen in das Heim des katholischen Jungmännervereins Stolberg-Mühle ein, um nachzusehen, „ob in Frankenthal Schlägerei zwischen den Angehörigen der beiden Jugendorganisationen entstanden sei“. Als der hinzugerufene Kaplan Heinen erscheint, der sich kurz zuvor noch überzeugt hatte, dass der Heimabend in „völliger Ruhe“ vonstattenging, verlassen die HJ-Führer mit den Jungvolkjungen das Heim.

-          Am Sonntag, den 21. Januar 1934, betreten zwei HJ-Mitglieder, Ferdinand Wittmann und Hansjürgen Tix, das nämliche Heim, angeblich mit dem Auftrag zu kontrollieren, ob Mitglieder der katholischen Organisationen in Kluft anwesend seien.

-          Am selben Tag wird Kaplan Thoren von ca. acht Angehörigen der HJ im Alter von etwa 18 Jahren auf der Straße als „Bonze“ beschimpft.

-          Am Abend des Tages treffen sich 20 bis 25 HJ-Mitglieder vor dem Lokal Haas, wo eine Versammlung des katholischen Jungmännervereins stattfindet und durchsuchen Mitglieder des Vereins, z.T. unter Aufreißen der Jacken, nach Abzeichen.

-          Zwei Tage später, am 23. Januar 1934, verursacht das „provokatorische Anrücken“ eines Zuges HJ vor dem katholischen Jugendheim eine Menschenansammlung. Drei Hitlerjungen betreten das Heim.

-          Am nächsten Tag, Mittwoch, den 24. Januar 1934, wird von einer Gruppe 17- bis 18-Jähriger ein schwerer Baustein vor die Gartentür der Wohnung des Kaplans, an die sich unmittelbar die Haustür anschließt, geschleudert.

-          Am Abend desselben Tages marschiert eine 25- bis 30-köpfige Gruppe HJ vor das Jugendheim und ruft im Chor: „Katholische Jugend, was sind eure Führer? Zentrumsbonzen! Wo ist die katholische Jugend? Im Keller!“
Anschließend dringen sie in das Heim ein und veranstalten ein lautes Pfeifen mit und ohne Trillerpfeife. Die Mitglieder des Jungmännervereins verhalten sich weisungsgemäß ruhig. Kurze Zeit später kommt noch der SA-Sturmführer Molitor aus Stolberg mit weiteren Hitlerjungen hinzu und fragt, ob das Heim bald geräumt werde. Den Einspruch eines Mitgliedes des Jungmännervereins quittiert er mit den Worten: „Halten Sie Ihre Schnauze, sonst fliegen Sie achtkantig zum Fenster hinaus! Ihr seid die Pest am deutschen Volke. Ich dulde nicht mehr die Zankereien auf der Mühle. Solange ich Sturmführer bin, gibt es das nicht mehr.“ Die Frage, was ihm das Recht dazu gebe, entgegnet er mit den Worten: „Ich bin Sturmführer, ich gebe mir selbst das Recht.“
Die Mitglieder des Jungmännervereins verlassen daraufhin das Heim. Später geht Kaplan Dunkel mit vier Jungen des Jungmännervereins zum Heim, um nachzusehen, ob etwas demoliert wurde, und trifft dort erneut auf Molitor. Dieser behauptet, in dem Heim werde „Sabotage“ betrieben und versucht, den Kaplan hinauszuweisen, was sich dieser jedoch nicht befehlen lässt. Danach geht er, doch nur um kurze Zeit darauf zurückzukommen und den Kaplan „freundschaftlich“ ermahnt, zu gehen, da sich draußen SA versammle, die nicht dulde, dass der Kaplan noch hier sei und mit Prügel drohe. Kaplan Dunkel lässt sich davon jedoch nicht verschrecken, schließt das Heim ab und geht.

-          Am darauf folgenden Tag, Donnerstag, der 25. Januar, reißt ein Hitlerjunge einem Mitglied des katholischen Jungmännervereins das Christuszeichen ab und nimmt es an sich. Dies ist nur ein Fall von vielen, bei denen die HJ Mitglieder des Jungmännervereins und der Jungschar nach Vereinsabzeichen durchsucht haben.

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