Menü
Ereignisse
1934
Mai

Katholische Jugendgruppe "tarnt" sich als Jungvolk

Im Kreis Schleiden, so ein Bericht der Gebietsführung Mittelrhein vom 7. Juli 1934, ist eine katholische Jugendgruppe "unter falschen Voraussetzungen" in die HJ überführt worden, "um dort getarnt ihre alte Zersetzungspolitik weiter huldigen zu können". Durch einen "reinen Zufall" habe Unterbannführer Orth am 23. Mai in der Nähe des Klosters Mariawald ein Jungvolkzeltlager entdeckt, in dem die Jungen "sonderbarerweise" statt der braunen Hemden blaue getragen hätten.

Zudem habe sich in einem Zelt eine schwarz-weiß-rote Fahne befunden, die später auch gehisst worden sei, obwohl die Fahne für HJ und Jungvolk verboten sei und obwohl man Orth nach dessen Einspruch zuvor versprochen hatte, die Fahne nicht aufzuziehen. Orth habe die Herausgabe der Fahne dann "mit Gewalt" durchsetzen müssen.

Auch einen PX-Wimpel, der neben dem DJ-Wimpel an einem Speer geflattert habe, habe er entdeckt. Diesen habe man bei Orths Erscheinen "blitzschnell versteckt" und die Existenz zunächst geleugnet.

Bei dem ganzen Lager habe es sich um eine "getarnte katholische Gruppe" gehandelt, die als geschlossene Schulgruppe am 1. März 1934 ins Jungvolk eingetreten sei. Das Lager sei zwar vom Jungvolk durchgeführt worden, doch sei auch ein Präfekt zugegen gewesen.

Orth habe die Jungen dann zur Rede gestellt und von ihnen erfahren, dass sie nichts hätten erzählen dürfen. In der anschließenden Unterredung mit Jungzugführer von Kleinsorgen und Präfekt Bruder Notker habe Kleinsorgen alles zugegben, Bruder Notker jedoch "heftige Zwischenreden" von sich gegeben wie "Wir sind genau so deutsch wie ihr, aber wir sind auch bewusst katholisch".

Die Unterscheidung in "ihr" und "wir" hätten, so die Anmerkung in dem Bericht, auch alle anderen Jungen gemacht und damit dokumentiert, dass sie sich als außerhalb der HJ stehend betrachteten.

Das Tragen der blauen Hemden habe er damit erklärt, dass die braunen Hemden schmutzig seien, was sich nach der Untersuchung von Orth jedoch als Ausrede herausstellte.

Zu dem verbotenen Wimpel befragt, habe Notker angegeben, zwar von dem Verbot gewusst zu haben, den Wimpel jedoch trotzdem mitgenommen zu haben, da er den Jungen "lieb und teuer" sei. Anschließend habe er Orth noch unter vier Augen - der Jungzugführer habe aus dem Anlass die Besprechung verlassen müssen - erklärt, er habe den Wimpel auch mitgenommen, da einige Jungen der Schule "noch nicht ganz begeistert beim Jungvolk ständen. Diese wolle er nun mit allen Mitteln in die neue Idee einführen. Dabei dürfte er die Zögernden nicht vor den Kopf stoßen, sondern es müsste ihnen entgegengekommen werden."

Solche "Mätzchen", so der Kommentar der Gebietsführung, seien zwar eigentlich seitens der Schule nicht nötig gewesen. Es sei jedoch schon so, "dass die kath. Aktion bewusst den Jungen Symbole vergangener Jahre vorhält, um sie so zu einer geistigen Zwiespältigkeit kommen zu lassen, die innerlich dem Alten und nur äußerlich dem Neuen nachkommt".

Der Wimpel sei dem Unterbannführer dann schließlich übergeben worden, doch mit dem "sichtbar größten Widerwillen". Der Junge habe dazu auf Nachfrage erklärt: "Diese Fahne ist mir früher mehr gewesen als heute der Jungvolkwimpel."

Es sei, so empört der Bericht der Gebietsführung, "für jeden Nationalsozialisten unerhört festzustellen, wie es die katholische Aktion fertig bringt, die Jungen unter Ausnutzung ihrer deutschen Volkstreue an ihre verderbliche Sache zu ketten".

Baum wird geladen...