Werbeaktion der katholischen Jugend Kölns
Im Mai 1934 wird laut einem Bericht der Gebietsführung Mittelrhein vom 7. Juli 1934 von der katholischen Jugend Kölns eine große Werbeaktion im gesamten Bezirk Köln durchgeführt. Die HJ stellt einzelne Mitglieder der katholischen Jugend deshalb zur Rede und konfisziert einen Teil des Werbematerials.
In dem Bericht von Juli 1934 wird aus dem Material zitiert, um daraus eine verbotene Aktivität der katholischen Jugend abzuleiten und deren Gegenarbeit zu unterstreichen:
„Es ist interessant, aus diesem Werbematerial einige Dinge heraus zu greifen, so heißt es in einer dieser Drucksachen:
‚Tatsache ist, dass zehn schwere Zwischenfälle und Überfälle im Laufe von sechs Monaten vorkamen, dass dabei fünf Personen schwer, teils leicht verletzt wurden …‘
‚Dass einem unserer Hochwürden Seelsorger zugerufen wurde: Du schwarzes Schwein.‘
‚Dass die deutsche Glaubensbewegung, die Kardinal von Faulhaber als neuzeitliches Heidentum bezeichnet, ein großes Interesse am Verschwinden der katholischen Jugend hat, da sie glaubt, dann mit ihrer christusfeindlichen Lehre leichter deutsche Menschen versehen zu können.‘
Diese Kostproben mögen genügen, um derartige Druckschriften, deren Verfasser natürlich sich fein säuberlich im Dunkeln halten, zu charakterisieren. Es steht außer allem Zweifel, dass die katholische Aktion mit einer derartigen Volksverhetzung und derartig unkontrollierbaren sogenannten Werbefeldzügen geradezu verhängnisvoll sich auswirken muss. Es sind immer noch genug Leichtgläubige und Böswillige, die derartige Mitteilungen als bare Münze annehmen, die sie dann von Mund zu Mund weiter tragen, um so wie Wühlmäuse das Gefüge des Staates langsam aber sicher zu zerstören, und das offenbar ist auch der ganze Zweck der Aktion.“
Was die Gebietsführung jedoch am "bedenklichsten" findet, ist die Tatsache, dass die Werbung auch an den Schulen durchgeführt wird, so unter anderem durch das Verteilen von Druckschriften am Realgymnasium in der Kreuzgasse durch den ND.
Auch in Bergisch Gladbach sei ein mit "PX-Fahnen bebildertes Flugblatt" verteilt worden, das sich mit folgenden Worten "An die lieben katholischen Eltern" gewandt habe:
"Wir sind ja doch alle eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern in unserer heiligen Kirche und warum sollten wir, wo die Welt mit 1000 Stimmen um ihre Kinder wirbt, zu Euch nicht sprechen dürfen mit der Stimme unseres Herrn und Meisters Jesus Christus.“
Dann seien die Eltern aufgefordert worden, ihre Kinder vom 4. Schuljahr an zu einer "frohen Zusammenkunft aller katholischen Jungen vom Heidkamp" zu schicken.
Das Flugblatt habe dann mit den Worten geschlossen: "Lass wogen hin, lass wogen her, Christkönig führt das junge Heer."
Diese Flugblätter und Rundblätter, so der Kommentar der Gebietsführung, würden "natürlich gar keine Rücksicht darauf [nehmen], ob ihr Inhalt wahr oder nicht wahr ist. Wenn irgend etwas dem Vorteil der katholischen Bewegung dienen kann, so wird es rücksichtslos ausgeschlachtet, auch dann, wenn der Tatbestand verdreht werden muss."
Empörend beurteilt die Gebietsführung auch die Tatsache, dass die katholische Jugend jetzt dazu übergegangen sei, die "Junge Front" ins Haus zu bringen, nachdem die Bezieher die Wochenzeitung bisher vor der Kirche hätten kaufen können. Nach dem Verbot des öffentlichen Verkaufs und der Regelung, dass nur die bisherigen Bezieher die Zeitung weiter erhalten sollten, habe man nun eine Werbeaktion betrieben und einfach sämtliche unbekannt Käufer als Abonnenten hingestellt. "Diese neuartige Zeitungswerbung wird offensichtlich gegen alle Verbote und gegen das Interesse des Staates durchgeführt."
Unterstützung würde die katholische Jugend in Bergisch Gladbach unter anderem durch Kaplan Backhaus erhalten, der am 9. Februar 1934 erklärt habe: "Wer in die HJ geht oder in den BDM anstatt in unsere Organisationen, ist für uns erledigt." Auch Rektor Reinartz würde sich ähnlich äußern, allerings "nur gelentlich in der Beichte", so der Bericht des Scharführers Müller von der Gefolgschaft 16/IV/I.
Eine vergleichbare Form der Werbung finde auch an der katholischen Pfarrkirche in Köln-Zollstock statt, wie der Fähnleinführer des Fähnleins 4/V2/53 mitgeteilt habe. Hier würden die Kinder katholischer Eltern immer wieder für die katholischen Verbände geworben. So etwa am 3. Juni 1934:
"Zuerst wurde von dem Kaplan Köhnen ein Hirtenbrief betr. Verbot der kath. Jugendverbände verlesen, dann führt er aus, dass die Katholischen den Platz an der Sonne genommen bekommen hätten, denn jede Betätigung wie Wandern, geschlossenes Auftreten usw. wäre ihnen verboten, die kath. denkenden Eltern sollten sich hiergegen auflehnen und das nicht dulden. Die Kinder der kath. Eltern gehörten in die kath. Jugend hinein."
Der Pfarrer habe sich also, so das Resümee der Gebietsführung, „keineswegs gescheut, zu offener Auflehnung gegen die Staatsjugend in der Kirche aufzufordern“.