Katholische Kirche in Lindlar wirbt für konfessionelle Vereine
In einem Bericht der Gebietsführung Mittelrhein vom 7. Juli 1934 beklagt die HJ, dass es vielfach zu Neugründungen von "getarnten katholischen Verbindungen aller Art" komme und damit in der Folge zu Auseinandersetzungen mit den entsprechenden HJ-Einheiten. Dies biete immer wieder neue Stoffe, um die Bevölkerung zu "verhetzen".
Eine besondere "Unverfrorenheit" leiste sich die Pfarrgeistlichkeit in den oberbergischen Gegenden. So sei in Lindlar Mitte Juni wieder "mächtig" für die konfessionellen Vereine geworben worden. Am 7. Juni sei von der Kanzel herab sogar die Gründung eines eigenen "BDM" in Aussicht gestellt worden, nämlich des "Bundes der Marienkinder".
Ebenfalls Mitte Juni habe die Pfarrgeistlichkeit dort ein Schreiben verlesen, "die Leute sollten sich nicht einschüchtern lassen, jeder Druck von amtlichen Stellen, in die HJ einzutreten, sei unzulässig, niemand brauche irgendwelchen Nachteil zu befürchten, wenn er sich weigere, seine Kindern in die HJ zu schicken". Einladungen zu Werbeveranstaltungen der HJ bedeuteten keine Verpflichtung. Die Kinder gehörten im übrigen in die konfessionellen Vereine.
Überdies hätten bei der feierlichen Aufnahme von Schuljungen in die Jungschar am 16. Juni die Messdiener im Gottesdienst in "voller Jungscharuniformierung" am Altar gedient. Zuvor seien die Jungen natürlich "wochenlang unter schwersten seelischen Druck" gesetzt worden. So habe Pfarrer Bürschkens in der letzten Religionsstunde in der Jungenoberklasse der Lindlarer Volksschule erklärt: "Entweder Ihr seid katholisch und geht in die Jungschar, oder Ihr seid es nicht."
Unter diesen Umständen könne die Mitgliederzahl nur schwer gehalten werden, "an Neuwerbung ist kaum zu denken". Die "systematisch gegen die HJ und die Bewegung verhetzte Bevölkerung" mache "Schwierigkeiten über Schwierigkeiten".