Lagebericht des Regierungspräsidenten in Münster für den Monat August 1934
Der Regierungspräsident berichtet u.a.:
„Unbedingt notwendig ist es, dass die Führung der Hitlerjugend mehr als bisher in bodenständige, einwandfreie Hände gelegt wird. Als untragbar wird es mit Recht empfunden, dass ein als homosexuell verdächtigter Lehrer im Kreise Ahaus nach wie vor mit der Führung des Jungvolks betraut ist. Diese Angelegenheit wird augenblicklich hier nachgeprüft; das Erforderliche wird gegebenenfalls dann veranlasst werden.
In den Kreisen der Erzieher ist noch immer Grund zur Besorgnis über die Art der Führung der Jugendverbände (Hitlerjugend und Jungvolk) gegeben. Mit Unzufriedenheit, teils mit innerem Widerstreben werden die Kinder zum Dienst des Jungvolks geschickt, dies ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die jugendlichen Führer nicht in richtiger Weise zu führen wissen, so wurde an einem Abend das Jungvolk für 19 Uhr zum Dienst bestellt, es erfolgte sodann ein Ausmarsch von etwa 5 km außerhalb der Ortschaft. Die Rückkehr erfolgte erst gegen 23 Uhr. Da dem Jungvolk Kinder im Alter von noch nicht 10-14 Jahren angehören, ging dieserhalb eine ziemliche Aufregung durch die Reihen der Eltern, die teils mit großer Entrüstung die Rückkehr ihrer Kinder erwarteten oder sie selbst heimholten. Hier müsste meines Erachtens Wandel geschaffen werden.
Durch einen Personalwechsel innerhalb verschiedener, besonders der unteren Stellen der Partei und bei geschickter Behandlung der Bevölkerung würde sich die Partei m.E. innerhalb der Reihen der Parteigenossen wie auch außerhalb größere Sympathien, als sie besitzt, erwerben können; man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass einzelne Parteistellen infolge Ungeschicklichkeit mehr verderben, als sie ahnen. Besonders die Arbeiterschaft hat für diese Dinge ein scharfes Auge und identifiziert einzelne Amtswalter leicht mit der Bewegung. Viel schaden diejenigen Stellen, die immer noch glauben, ‚in Revolution machen zu müssen‘.“