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Ereignisse
1934
November

Die Gestapo Osnabrück berichtet

Die katholische Kirche

„Die Haltung der katholischen Kirche hat sich äußerlich nicht viel verändert. Sie hat ihre Anhänger fester denn je in der Hand. Die Mitgliederzahl in den katholischen Vereinen und Verbänden steigt an. Im Ganzen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die katholische Kirche ihre Kräfte sammelt und sich auf Kampf einstellt. Dabei wird sie von der katholischen Presse, soweit ihr dies möglich ist, unterstützt. So bringen vor allem die kleineren Heimatblätter des Bezirks in verstärktem Maße sowohl im allgemein-politischen Teil wie auch in den sonntäglichen Beilagen Reden und Aufsätze der Bischöfe oder anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wobei - bisweilen unter historischen Anspielungen - auf die besondere Gefahrenlage der christlichen Kirche hingewiesen wird. Besonders häufig sind in derartigen Aufsätzen Aufrufe an die Jugend eingeflochten. Z. B: ‚Katholische Jugend! Bedenke zuerst, dass Zeiten geistigen Ringens zwischen Glauben und Unglauben nicht nur schwere, sondern gnadenvolle Zeiten sind.‘

Oder man wendet sich an die Eltern:

‚An Euch, Eltern, richte ich ein besonderes Wort oberhirtlicher Sorge! Gott gab euch vor allem das Recht, den Anspruch und die Verantwortung für die Erziehung eurer Kinder. Nicht nur vor und während der Schulzeit, sondern auch über die Schulzeit hinaus.‘

Ferner: ‚Weil die Verpflichtung der Eltern, so sagt unser Heiliger Vater, fortdauert bis zu dem Zeitpunkt, da die Nachkommenschaft im Stande ist, selbst für sich zu sorgen, dauert auch das unverletzliche elterliche Erziehungsrecht fort. Seid euch darum der Rechenschaft bewusst, die Gott von euch fordert.‘ Oder: ‚Aber auch bei uns, die wir Gott sei Dank fern der Internationale und dem Feuerbrand der Revolution der Welt gerückt sind, ist der Antichrist wieder aufgestanden. Er weht zwar nicht mit dem Sowjetstern, aber er hat das neue Heidentum auf sein Panier geschrieben, und es wird unter uns hoffentlich keinen mehr geben, dem der bittere Ernst dieser Stunde noch nicht auf gegangen ist.‘

In einer Besprechung der Schrift des Freiburger Erzbischofs: ‚Einer ist euer Lehrer, Christus!‘ wird unter besonderer Hervorhebung folgende Stelle zitiert: ‚Nicht darauf kommt es zuletzt der Menschenseele an, ob dasjenige, was sie an tiefen Erkenntnissen gewinnt, art- und rasseecht ist, sondern darauf, ob es auflichtend, tragkräftig - ob es wahr ist.‘

Aufgefallen ist bei einer im Emslande verbreiteten Zeitung, dass in der Nummer vom 27. Oktober 1934 die ganze erste Seite nicht etwa - wie das sonst üblich ist -den allgemeinpolitischen und wirtschaftlichen Nachrichten gewidmet ist, sondern unter der großaufgemachten Schlagzeile ‚Christus, mein König!‘ eine Darlegung bringt, in der die Herrscherstellung des christlichen Königs über die ganze Erde und über alle menschlichen Verhältnisse mit Nachdruck betont wird.

In Gesprächen mit gebildeten Katholiken hört man immer wieder die Klage, der Staat versuche die Kirche in ihrer Betätigung ungebührlich einzuengen. Man halte die Katholiken nicht für staatsheu und begegne ihnen stets mit Misstrauen. Neuerdings gehe man sogar dazu über, rein religiöse Veranstaltungen zu überwachen. So sei es kein Geheimnis, dass die sogenannten Exerzitien polizeilich streng kontrolliert würden.“

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