Der Landrat berichtet über die „politische Lage“ im Kreis Lippstadt
Der Landrat berichtet über das Ergebnis der Volksabstimmung vom 19. August, mit der Adolf Hitler nachträglich die Zusammenleger der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in seiner Person bestätigen ließ. 96,3 Prozent der wahlberechtigten Kreisbevölkerung hätte sich daran beteiligt und dabei 33.356 gültige Stimmen abgegeben. Anders als bei der Volksabstimmung vom November 1933, bei der von den 32.944 gültigen Stimmen 31.699 mit Ja gestimmt hatten, waren nunmehr nur 27.492 Zustimmungen zu verzeichnen, während immerhin 5.864 Wähler mit Nein gestimmt hatten. Damit standen 83 Prozent Zustimmung eine deutlich über dem Reichsdurchschnitt liegende Ablehnung von 17 Prozent gegenüber. „Während die industriell durchsetzten Gemeinden des Kreises verhältnismäßig gute Ergebnisse aufweisen, haben die rein ländlichen Gemeinden durchweg schlecht, zum Teil sogar sehr schlecht gestimmt.“ Als Beispiel führt der Landrat die „reinen Landgemeinden“ Langenstraße-Heddinghausen (32,3% Nein-Stimmen), Hoinkhausen (32,1%), Östereiden (24,0%), Effeln (21,8%), Berge (24,5%), Eikeloh (33,6%), Störmede (23,4%), Böckenförde (16,9%) und Langeneicke (14,3%) an. Da der Anteil der Nein-Stimmen aber auch in den Städten Lippstadt (19,0%), Geseke (28,7%) und Erwitte (13,1%) sowie im durch die Steinindustrie geprägten Anröchte (16,3%) nicht eben niedrig ausfiel, wirkt seine Argumentation nur halbwegs überzeugend.
Einen Grund für den mangelnden Zuspruch zum NS-Regime macht der Berichterstatter im Problem der „Führerauslese“ auf dem Lande aus. Es würden grundsätzlich alle Führerfiguren abgelehnt, die nicht in der Lage seien, „ihre eigenen Verhältnisse in Ordnung zu halten“. Gerade in sämtlichen NS-Jugendverbänden fehle es „vielfach an geeigneten Führern“. „Wenn die ganze Jugend erfasst und wirklich fruchtbare Arbeit geleistet werden soll, muss der Führerfrage größere Aufmerksamkeit zugewandt und mit dem Grundsatz, dass Jugend nur durch Jugend geführt werden darf, gebrochen werden. Auch muss die Zusammenarbeit mit der Schule enger werden, mindestens sofort überall da, wo geeignete, weltanschaulich unbedenklich und sachlich interessierte Lehrpersonen vorhanden sind.“
Zudem teilt er mit, dass die wenigen im Kreisgebiet noch existierenden DJK-Vereine nach wie vor bemüht seien, mit allen Kräften „ihre Position zu halten“. So habe die DJK in Geseke versucht, als „selbstständige Spielabteilung“ im dortigen Turnverein aufzugehen. So wurde am 5. August in Lippstadt das Hochamt zu Ehren des „plötzlichen verstorbenen“ DJK-Reichsführers Adalbert Probst gehalten. In der entsprechenden Bekanntmachung des Präses vom 2. August hieß es, „Teilnahme ist Ehrenpflicht!“. Der Kampfgeist wurde sodann mit einem Bibelzitat gestärkt: „Lasst euch durch die Feuerprobe, die ihr durchmacht, nicht befremden, als ob euch etwas Seltsames widerführe. Freut euch vielmehr, dass ihr an Christi Leiden teilhabt. Damit ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit euch freuen und frohlocken könnt.“
Auch die Werbung für die Sturmscharen halte – insbesondere in Geseke - unvermindert an.