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Ereignisse
1934
Januar

Weitere Konflikte um die DJK im Amt Störmede

Im Anschluss an sein Schreiben vom 27. Dezember 1933 berichtet Amtsbürgermeister Joest erneut über die Konflikte wegen der lokalen DJK. er schreit u.a.: „Am 30. v. Mts. rief ich den Kreisleiter des Deutschen Fußballbundes für den Kreis Hamm telefonisch an, um mich über die weitere Behandlung des von dem Spiel- und Sportverein hier gefassten Beschlusses zu erkundigen. Herr Köster teilte mir darauf mit, dass die Aufnahme des Vereins in den Deutschen Fußballbund auf Grund des vorgenannten Beschlusses ohne weiteres erfolge, und dass auch eine entsprechen de Mitteilung in der nächsten Nummer der Verbandszeitung erfolgen werde, die von ihm schon veranlasst sei. Er habe nun aber von dem Vorsitzenden des Vereins, dem Arbeiter Heinrich Lehmenkühler in Störmede, noch nachträglich eine Nachricht bekommen, dass der Beschluss vorläufig nicht auszuführen sei, weil die kirchlichen Stellen mit ihm nicht einverstanden seien. Ich habe Herrn Köster darauf erwidert, dass Lehmenkühler dies ohne Wissen auch nur eines einzigen Vereinsmitgliedes getan habe, und dass ich ihn immer auch für politisch unsicher angesehen habe. Herr Köster hat Lehmenkühler darauf sofort seines Amtes enthoben und als Führer des Vereins vorläufig den Beamtenanwärter Kohers hier bestellt. Lehmenkühler habe ich entsprechende Nachricht gegeben.

Am letzten Sonntag nahm der hiesige Pfarrer Sammelmann diese Vorkommnisse wiederum zum Anlass, um von der Kanzel herab gegen die behördlichen Stellen, die den Übertritt veranlasst haben, vorzugehen. Schon im ersten Teile seiner Predigt fehlte es nicht an hämischen Seitenhieben gegen die staatlichen Organisationen, wie sie bei ihm aber gerade nicht etwas Neues sind. Er sagte, indem er sich über den Gehorsam der Kinder gegenüber den Eltern verbreitete, dass von ihnen kein Kadavergehorsam verlangt würde, wie ihn der Rekrut auf dem Kasernenhofe zeigen müsse, der wohl wisse, was ihm blühe, wenn er seinen Vorgesetzten nicht gehorche. Danach leitete er allmählich auf die oben geschilderten Vorkommnisse über .Er stellte nochmals, wie er dies schon in seiner Predigt am zweiten Weihnachtstage getan hatte, den Übertritt des Spiel- und Sportvereins zum Deutschen Fußballbund als etwas dar, was das religiöse Leben im Innersten erschüttere. Wenn jemand sage, dass dieser Übertritt mit kirchlichen Dingen nichts zu tun habe, so sehe der über die Grenzen Störmedes nicht hinaus. Er habe seit vielen Jahren im Vereinsleben gestanden und könne nur sagen, dass es nur durch die katholischen Vereine möglich sei, die Katholiken vom Verkehr mit Andersgläubigen abzuhalten. Sobald die jungen Katholiken nicht mehr in ihren katholischen Vereinen festgehalten würden, seien Mischehen die unmittelbare Folge. Gewiss gebe es auch höhere weltliche Autoritätspersonen, denen der Katholik Gehorsam zu erzeigen habe, aber die oberste stelle für jeden Katholiken sei die Kirche und insbesondere die Bischöfe. Was die kirchlichen Stellen sagten, sei für jeden Katholiken in erster Linie, unter allen Umständen maßgebend.

Es waren dies dieselben Redensarten, wie er sie unter der Herrschaft der alten Regierung auch von der Kanzel herab immer wieder, besonders aber unmittelbar vor den Wahlen, vorbrachte.

Pfarrer Sammelmann kann wohl als vollständiger religiöser Fanatiker angesehen werden, der kaum eine andere Autorität neben der katholischen Kirche duldet. In einer recht gehässigen Weise offenbarte er diesen Standpunkt s.Zt. auch nach der Übernahme der Kanzlerschaft durch Herrn von Papen. Er sagte damals, ebenfalls von der Kanzel, es heiße jetzt, wir hätten doch jetzt katholische Männer an der Spitze des Staates, was wir Katholiken denn eigentlich mehr wollten. Diese Männer seien aber in Wirklichkeit nicht katholisch, sie seien vielmehr von den Wegen Gottes abgewichen.

Ich muss nun zu dem Gebaren des Herrn Pfarrers Sammelmann bemerken, dass er in seiner Art, die die eigene innere Überzeugung unverkennbar macht, auch auf sehr viele seiner Pfarreingesessenen, ich möchte fast sagen auf die meisten, überzeugend wirkt, trotz allem Vorhergegangenen. Das Volk lernt bekanntlich aus der Geschichte garnichts, und auch die furchtbaren und für das ganze Volk verhängnisvollen Irrlehren, die die katholische Kirche bis zum Regierungsantritt Hitlers in politischen und staatlichen Angelegenheiten von der Kanzel herab verbreitet haben, scheinen bei sehr Vielen schon vergessen zu sein.

Tatsache ist, dass der Vormarsch des nationalsozialistischen Staatsgedankens durch die Haltung derartiger Geistlichen nicht nur sehr stark gehemmt, sondern dass die Staatsautorität selbst schon wieder auf dem besten Wege ist, unter= wühlt zu werden.“

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