Menü
Ereignisse
1934
Juli

„Förderung der Hitlerjugend“ – Ermittlungsergebnisse aus Amt Altenrüthen

Am 18. Juli 1934 überreicht der Bürgermeister des Amtes Altenrüthen dem Landrat in Lippstadt eine – in der Akte nicht überlieferte – Übersicht über die Zugehörigkeit der Volkschülerinnen und Volksschüler in den NS-Jugendorganisationen. Diese Übersicht, so führt er in seinem Begleitschreiben aus, sei für seinen Amtsbezirk „nach den Feststellungen, die ich durch Vernehmung der Lehrpersonen getroffen habe, nicht ganz zutreffend“. So sei das Jungvolk an allen Schulen mit mehr als 50% vertreten – „also auch an den Schulen Hemmern und Langenstraße“. Auch der Prozentsatz der Knaben in Menzel stimme nicht, denn dort gäbe es seien lediglich 15 und nicht 22 Schüler, von denen immerhin 13 dem Jungvolk angehören würden. Auch der BDM sei an der Schule in Langenstraße mit 8 Mädchen vertreten. Besonders weist der Amtsbürgermeister darauf hin, dass „bereits viele Knaben unter 10 Jahren dem Jungvolk“ angehören würden. Er fährt fort:

„Wegen der Gründe, aus denen einzelne Kinder der Bewegung noch nicht angeschlossen sind, habe ich zunächst die Lehrpersonen eingehend befragt und ihre Meinung protokollarisch festgelegt.“ Die entsprechenden Protokolle fügt er seinem Schreiben bei. „Lediglich die Lehrerin aus Hoinkhausen, welche den 5. Jahrgang Knaben und Mädchen unterrichtet, ist nicht vernommen, weil der Lehrer bat, davon Abstand zu nehmen, weil, soweit ihm bekannt sei, alle Knaben und Mädchen bis auf ein Kind der Bewegung an geschlossen seien und ein weiter Weg zum Amte in Frage komme. Desgleichen habe ich kein Vernehmungsprotokoll von dem Lehrer von Östereiden angeschlossen, weil sämtliche Knaben seiner Schule über 10 Jahren beim Jungvolk sind. Ich habe Ihn jedoch gelegentlich der Vernehmung der Lehrerin in Östereiden gesprochen. Der Lehrer unterrichtet keine Mädchen der betr. Jahrgänge.

Das Ergebnis der Besprechung mit den Lehrpersonen war fast übereinstimmend. Bezüglich der Mädchen hat danach die Bewegung in einzelnen Orten noch keine genügenden Schritte unternommen. Da die Lehrpersonen hierfür nicht mehr zuständig sind, fehlt es vielfach an geeigneten örtlichen Führern. Die vorhandenen jungen Führer entfalten oft keine genügende Propagandatätigkeit.

Abgesehen von diesen organisatorischen Mängeln sind es hauptsächlich wirtschaftliche Gründe, welche einzelne Kinder von der Bewegung abhalten. Es kommt oft vor, dass 4-5 Kinder aus einerFamilie die Schule besuchen oder die Eltern zur Zahlung der Beiträge und Beschaffung der Uniform tatsächlich nicht in der Lage sind. Es müsste dafür gesorgt werden, dass arme Kinder von der Entrichtung der Beiträge befreit wären. Hierbei ist vor allem zu berücksichtigen, dass Vater und Mutter sowie Geschwister manchmal der Partei oderGliederungen derselben angehören. In manchen Ortschaften muss die geringe Einwohnerzahl und die große Entfernung von den benachbarten Ortschaften, in denen die Kinder den Dienst machen müssen, berücksichtigt werden. Es kommen oft stundenlange Wege in Frage.

Bei den überwiegend ländlichen Verhältnissen werden die Kinder nach der Schulzeit auch regelmäßig zu häuslichen Arbeiten herangezogen und können daher für die Übungen der Hitlerjugend nicht immer freigegeben werden. Dieses gilt besonders für die Erntezeit. Bei dem Charakter der meisten bäuerlichen Betriebe als Familienbetriebe spielt dieser Umstand eine große Rolle.

Bei manchen Eltern gibt die Führung der Kinder durch Jugendliche zu Bedenken Anlass. Es herrscht manch mal wenig Disziplin und schlechte Dienstauffassung, wie mir besonders der wohl durchaus zuverlässige Lehrer Micus aus Effeln bestätigte. Auch die Versammlungslokale der Jugendlichen müssen darunter leiden. Die Lehrpersonen halten daher eine ältere Führung für besser und förderlicher, zumal diese auch eher das Vertrauen der Eltern hätte.

Hier und da scheinen auch die gesamten politischen Verhältnisse oder persönliche Spannungen eine Rolle zu spielen, z.B.in Effeln, Callenhard und Altenrüthen. Wie mir der Lehrer Schlootkötter aus Hoinkhausen erklär konnte z.B.selbst der frühere Zellenwart Mues (jetzt tot)aus Westereiden-Hoinkhausen keine passende Führerin für dieMädchen finden. Gerade hierfür aber verlangen die Eltern besonders geeignete Persönlichkeiten.

Auch der Stammführer des Jungvolks für die Stadt Rüthen und das Amt Altrüthen -Junglehrer Kaiser aus Hoinkhausen - hat mit die Richtigkeit der meisten verstehenden Gründe bestätigt und hat sich bereit erklärt, in Werbeversammlungen für eine noch bessere Verbreitung des Jungvolkes und der Jungmädchenschaft in seinem Bereiche zu werben. Leider seien solche Veranstaltungen z.Zt. untersagt. Er bitte daher, ihm die Genehmigung zur Abhaltung von Veranstaltungen für Werbezwecke erwirken zu wollen. Kaiser ist ein geeigneter und eifriger Führer.

Die Jungmädel des Amtes sind verschiedenen Führerinnen zugeteilt. Die Gemeinden Altenrüthen, Drewer, Effeln, Kellinghausen, Hemmern, Meiste und Kneblinghausen sind Fräulein Stemmer in Rüthen, die Gemeinden Callenhardt und Suttrop Fräulein Clara Teipel in Suttrop und die Gemeinden Westereiden und Nettelstädt Fräulein Hilde Wienecke in Westereiden, der auch Anröchte untersteht, unterstellt. Die Gemeinde Langenstraße-Heddinghausen gehört nach Geseke, Fräulein Wienecke erklärte mir, dass in Östereiden die Organisation der Mädchen gerade bei den Bauern auf Schwierigkeiten stoße. In Hoinkhausen und Weickede sei die Zahl der Mädchen zu gering. Ringführerin für die Stadt Rüthen und das Amt Altenrüthen außer Langenstraße ist Fräulein Hilde Bröker aus Suttrop.

Die Lehrpersonen des Bezirks fördern angeblich die Bewegung, soweit es ihnen möglich ist; nur in einem Falle, den der Stammführer des Jungvolks nicht benannt haben will, wurde ihm nicht genügend Entgegenkommen bezüglich der Unterbringung der Jungens gezeigt. Ich habe den Stammführer gebeten, mir in solchen Fällen Nachricht zu geben, damit ich ich Ihm behilflich sein kann. Die Heimbeschaffung macht in den Gemeinden, in welchen keine Schulen bestehen, Schwierigkeiten; z.B. müssen in Westereiden die Versammlungen der Jungmädel in dem elterlichen Hause von Fräulein Wienecke abgehalten werden.

Gegen die Geistlichkeit des Bezirks sind von der Partei keine erheblichen Bedenken geltend gemacht worden mit Ausnahme des Pfarrers von Callenhardt und des Vikars Schmitz von Altenrüthen, die sich angeblich ablehnend verhalten. Ich kenne beide allerdings noch nicht näher; jedoch sind mir über den Pfarrer von Callenhardt gelegentlich schon einmal Beschwerden vorgebracht worden.

Bel den überwiegend ländlichen Verhältnissen wird es nicht möglich sein, alle Kinder der Bewegung zuzuführen. Durch eine bessere Werbung und geschickte Organisation könnte allerdings die Bewegung noch gefördert werden, besonders bei den Mädchen. Die örtlichen Zellenleiter und Lehrpersonen müssten die Führer der Jugend hierbei unterstützt Von der Amtsverwaltung aus kann der Bewegung nur bei der Heimbeschaffung geholfen werden, weil die große Entfernung vom Sitze der Verwaltung eine Übersicht über die Tätigkeit der Bewegung unmöglich macht.“

Soweit der Amtsbürgermeister. Es folgen die Aussagen der befragten Lehrerinnen und Lehrer:

„Es erscheint der Hauptlehrer Reddemann aus Callenhardt und erklärt auf Befragen.
Von 38 Knaben, die für die Aufnahme in das Jungvolk in Frage kommen, sind bereits 28 der Bewegung angeschlossen. Die Gründe für das Fernbleiben der übrigen 10 sind m.E. folgende:
Die meisten sind nicht in der Lage, den Beitrag aufzubringen, jedenfalls fällt es den Eltern, die kleine Landwirte sind und viele Kinder haben, sehr schwer, die Beiträge zu beschaffen. Es ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Eltern und Geschwister vielfach in der Partei oder deren Gliederungen sind und hierfür bereits große Geldaufwendungen haben. Manchmal kommen auch mehrere Kinder in Frage.
Sodann scheinen mir bei einzelnen Eltern auch persönliche Bedenken vorzuliegen, die sich aus den ungeklärten örtlichen Verhältnissen herleiten oder auf die Führung durch Jugendliche zurückzuführen sind. Ihren Dienst verrichten die Jungens teilweise in Suttrop, sodass immer größere Wege und Zeitverlust damit verbunden sind. Sie werden daher bei der Hilfeleistung zu Hause und Im Felde, die hier üblich ist, entbehrt.
Schwieriger ist es noch mit den Mädchen. Am 24. v. Mts. ist versucht worden, eine Jugendgruppe des B.D.M. hier zu gründen. Außer dem Gemeindevorsteher und Zellenleiter sowie einer Führerin des B.D.M. aus Suttrop, Fräulein Hilde Bröker, und ein paar fremden Herrn soll kein Mädchen dagewesen sein. Vielleicht hat ein gleichzeitig stattfindendes Waldfest des Männergesangvereins manche abgehalten. Eine Gründung kam nicht zustande. Auch ein weiterer Versuch am folgenden Sonntage hatte keinen Erfolg. Es waren nur ein paar Mädchen erschienen. Angeblich war es zu wenig bekannt geworden. Ich selbst hatte keine Nachricht erhalten. Ein neuer Versuch soll noch einmal gemacht werden.
Ich glaube, die Bewegung würde in Callenhardt leichter Eingang finden, wenn die Leitung der Organisation der Jugendlichen den Lehrpersonen übertragen würde. Das beweist am besten die Tatsache, dass die erste Gründung des Jungvolks zunächst von der Schule erfolgte und es verhältnismäßig gut ging.

Weiter erscheint die Lehrerin Fräulein Bittern aus Callenhardt und erklärt auf Vorhalt:
Der B.D.M. ist in Callenhardt noch nicht vertreten, dagegen wohl in der Nachbargemeinde Suttrop. Bis vor kurzem ist m. W. in Callenhardt noch kein Versuch gemocht worden, eine Jungmädelgruppe zu gründen. Erst am 21. Juni d. Jrs. bekam ich von Fräulein Hilde Bröker aus Suttrop die Bitte zugesandt, meinen Kindern bekannt zu geben, dass am 24. Juni in der Wirtschaft Padberg eine Gründungsversammlung des B.D.M. stattfinden solle. Wunschgemäß habe ich die Schulkinder mehrere Male nachdrücklich darauf hingewiesen, an der Versammlung teilzunehmen. Ich selbst bin nicht eingeladen worden. Als ich am anderen Morgen die Kinder fragte, wer dagewesen sei, meldete sich niemand. Die Eltern hätten sie aus finanziellen Gründen zurückgehalten. Am 1. Juli war erneut eine Versammlung, die mir unbekannt war. Auch sie verlief ergebnislos, weil die Sache weder mir noch den Kindern bekannt war. Es sollen nur 5-6 Kinder dagewesen sein, die sich aber nicht aufnehmen ließen. Ein neuer Versuch soll gemacht werden. Die Gründe außer den finanziellen konnte ich von den Kindern nicht erfahren. Ich glaube, dass manche Eltern Bedenken haben, ihre Kinder der Führung von Jugendlichen anzuvertrauen. Ich glaube, dass größere Erfolge zu erzielen sind, wenn Erwachsene die Führung übernehmen, besonders bei den Mädchen, die die Eltern nicht gerne nach auswärts ohne feste Führung schicken.

Auf Vorladung erscheint der Lehrer Scheideler aus Hemmern und erklärt auf Vorhalt:
Von den 13 Knaben meiner Schule gehören 11 dem Jungvolk an. Die mir vorgelegte Übersicht stimmt also nicht. Die 2 Knaben, welche nicht dazu gehören, sind zu arm, um den Beitrag zahlen zu können. Sie sind auch erst kürzlich nach hier zugezogen. Von den Jungens hörte ich allerdings, dass zu wenig Dienst gemacht würde. Dieses ist wohl darauf zurückzuführen, dass zu meinem Schulbezirk außer Hemmern noch Kellinghausen gehört, was wegen der Entfernung ( 20 Minuten) die Arbeit erschwert. Ich selbst habe die Organisation aufgezogen. Der B.D.M. ist m.W. in Hemmern und Kellinghausen noch nicht vertreten. Ich glaube, dass von der Führerin des B.D.M. noch kein Versuch in den Orten gemacht wurde, eine Gruppe zu bilden. Es wäre angebracht, wenn sie sich mit mir diesetwegen in Verbindung setzten. Ich würde sie gern unterstützen.

Auf Vorladung erscheint der Lehrer Gödde aus Kneblinghausen und erklärt auf Befragen:
Von den in Frage kommenden 11 Knaben meiner Schule gehören 8 zum Jungvolk. 2 Knaben atammen aus der Familie S., die sehr berüchtigt ist. Sowohl die anderen Jungens als auch ich haben den beiden angeboten, die Beiträge für sie zu übernehmen, was sie aber ablehnten. Der Grund liegt wohl bei den Eltern. Der Vater ist kürzlich aus dem Zuchthaus zurückgekehrt. Der dritte Junge, für den ich zuerst den Beitrag bezahlt habe, ist wieder ausgetreten wegen der Uniformbeschaffung. Die Mutter ist Witwe und hat 9 Kinder; sie steht sich schlecht.
Ein Versuch, die Mädel zu organisiere, ist von dem B.D.M. noch nicht gemacht worden. Es wäre möglich, eine kleine Gruppe zusammenzubekommen, wenn es auch schwierig ist, weil viele kinderreiche Familien vorhanden sind, denen es sehr schwer fällt, die Beiträge und Ausstattung zu beschaffen.

Es erscheint der Lehrer Oel aus Drewer und erklär auf Befragen:
Von den 29 Knaben meiner Klasse gehören 19 zum Jungvolk der Hitlerjugend. Von den restlichen 10 sind 3 von auswärts kürzlich zugezogen (Ferienkinder); die übrigen 7 sind noch keine 10 Jahre alt.
Die Mädchen über 10 Jahre sind bereits im vergangenen Jahre von mir bei dem B.D.M. in Lippstadt angemeldet worden. Es ist aber von dem B.D.M. m.W. noch nichts veranlasst, die Organisation in Drewer aufzuziehen. Ich bin gerne bereit, hierbei helfend mitzuwirken. Örtliche Widerstände bestehen in Drewer m.W. nicht.

Es erscheint der Lehrer Vitt aus Menzel und erklärt auf Vorhalt:
Vom fünften Jahrgang an aufwärts zählt meine Klasse nur 15 Knaben, nicht – wie in der Nachweisung angegeben ist – 22. Von den 15 gehören 13 zum Jungvolk. Die Eltern des einen Jungen sind nicht in der Lage, die Beiträge zu zahlen, der andere stammt von auswärts (Unna) und geht nach den Ferien wieder fort. Die Zahl der Knaben ist früher vorübergehend größer gewesen, weil Diasporakinder aus Sachsen in Menzel untergebracht waren.
Der B.D.M. ist in Menzel erst vor 14 Tagen aufgezogen worden. Von 26 Mädchen sind bisher 17 beigetreten. Die Gründe, weswegen die anderen noch nicht dabei sind, habe ich noch nicht erfahren. Die Lage der Eltern ist nicht so schlecht, dass die Kinder nicht mitmachen könnten. M.E. ist die Neuheit der Einrichtung im Orte noch Schuld daran, dass einige noch abseits stehen.

Ferner erscheint der Lehrer Pütz aus Meiste und erklärt auf Befragen:
Von den Knaben meiner Klasse sind vom 4. Schuljahr aufwärts sämtliche Jungen bis auf 2 beim Jungvolk. Bei letzteren liegt es an der schlechten wirtschaftlichen Lage der Eltern bezw. gesundheitlichen Gründen (der Knabe ist krank).
Eine Jungmädelgruppe besteht in Meiste nicht. Da ich erst vor kurzem nach Meiste gekommen bin, ist mir nicht bekannt, ob schon ein Versuch gemacht worden ist, eine Gruppe dort aufzuziehen. Der B.D.M. müsste sich einmal darum bekümmern.

Es erscheint die Lehrerin Fräulein Genau und erklärt auf Befragen:
Ein Versuch, eine Jungmädchengruppe hier in Östereiden aufzuziehen, ist von dem B.D.M. m.W. nicht gemacht worden. Ich selbst habe vor etwa einem Jahre in der Schule nachgefragt, wer dem B.D.M. beitreten wolle. Etwa 50% der Mädchen meiner Klasse, welche die Mädchen vom 3. Jahrgange an aufwärts umfasst, erklärten sich bereit, beizutreten. Ich habe dieses nun dem Nationalsozialistischen Lehrerbund mitgeteilt, der jedoch nichts wieder von sich hören ließ. Besondere Widerstände gegen die Organisation bestehen hier m.W. nicht. Nur dürfte es den Eltern einiger Kinder nicht möglich sein, die Beiträge aufzubringen.

Es erscheint der Lehrer Besse aus Altenrüthen und erklärt auf Befragen:
In meiner Schule in Altenrüthen gehören sämtliche Knaben vom 5. Jahrgang an aufwärts mit Ausnahme von ein paar Ferienkindern dem Jungvolk an. Bereits im vergangenen Jahre habe ich auch die Mädchen, welche sich sämtlich zum B.D.M. meldeten, dem Kreisjugendführer Thomas in Lippstadt angegeben mit der Bitte um weitere Veranlassung. M.W. ist jedoch vom Verbande nichts unternommen worden, eine Ortsgruppe des B.D.M. aufzuziehen.

Weiter erscheint der Lehrer Schlootkötter aus Moinkhausen und erklärt auf Befragen:
Ich unterrichte die Knaben und Mädchen aus Moinkhausen, Nettelstädt, Westereiden und Weickede vom 6. Jahrgang an aufwärts. Die Angaben in der Statistik dagegen erfassen bereits die Kinder vom 5. Jahrgang an aufwärts und sind zutreffend. Den 5. Jahrgang der Knaben und Mädchen unterrichtet die Lehrerin Uhlenkotte. M. W. sind auch hiervon alle Knaben und Mädchen bis auf eines bei der Bewegung. Ich bitte deshalb, die Lehrerin von der Vernehmung zu befrei en, zumal sie den weiten Weg hierher zurückzulegen hat.
Die Gründe für das Fernbleiben der restlichen Knaben sind häusliche (Krankheit der Eltern) oder geldliche (ärmere, kinderreiche Familien).
Der B. D.M. ist in Hoinkhausen nicht vertreten; aus Weickede besucht zur Zeit kein Kind die Volksschule. Nur in Nettelstädt und Westereiden ist der B. D.M. vertreten. Der frühere Z ellenwart Heinrich Mues hat sich vergeblich bemüht, eine Führerin für den B.D.M. in Hoinkhausen zu finden. Wenn eine Ortsgruppe auf gezogen wird, wollen mehrere Mädel aus Hoinkhausen sofort beitreten.

Ferner erscheint Lehrer Frank aus Langenstraße und erklärt auf Vorhalt:
Ich unterrichte die Knaben und Mädchen vom 4. bis 8. Jahrgang. Entgegen der mir vorgelegten Aufstellung ist der B.D.M. und das Jungvolk in Langenstraße-Heddinghausen vertreten. Die genaue Zahl der betr. Knaben und Mädchen ist mir nicht bekannt; ich werde sie morgen noch schriftlich angeben.
Die Gründe für das Fernbleiben der übrigen Kinder sind wohl hauptsächlich geldlicher Art. Die Bevölkerung ist nicht arm, aber äußerst sparsam. Sie scheut m.E. die Beiträge. Durch tüchtige Werbung dürfte ihr Beitritt zu erzielen sein. Mein Kollege, der Junglehrer Stöber, will sich besonders deswegen bemühen.

Ferner erscheint die Lehrerin Stamen aus Suttrop und erklärt auf Befragen:
Ich unterrichte 56 Mädchen vom 5. – 8. Jahrgang in Suttrop. Hiervon gehören 42 Mädchen dem B.D.M. an. Die restlichen 14 Kinder gehören m.E. aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum B.D.M. Die Eltern sind zu arm, um die Beiträge bezahlen zu können, oder es gehören bereits Geschwister der Bewegung an. Kinder, deren Eltern in der Lage sind, die Beiträge zu bezahlen, stehen m.E. nicht mehr abseits. Die Führerin des B.D.M. ist Fräulein Teipel aus Suttrop.

Es erscheint der Hauptlehrer Langer aus Suttrop und erklärt:
Ich unterrichte die Knaben vom 5. – 8. Jahrgang in Suttrop. Von 46 gehören 42 dem Jungvolk an. Die anderen 4 bleiben aus wirtschaftlichen Gründen fern bzw. 1 ist krank und deswegen verhindert.

Ferner erscheint der Lehrer Micus aus Effeln und sagt aus:
Von den 16 Knaben meiner Klasse gehören 11 dem Jungvolk an. Bezüglich der übrigen 5 bemerke ich, dass 2 Knaben kürzlich wegen Interessenlosigkeit aus dem Jungvolk ausgeschlossen wurden, einer zu arm und holländischer Staatsangehörigkeit ist, 2 weitere würden gerne beitreten, aber seit Wochen wird gar kein Dienst mehr gemacht. Es ist kein Führer vorhanden.
Beim B.D.M. ist nach kein schulpflichtiges Mädchen. Trotz größter Mühe konnte ich die Kinder nicht dazu bewegen. Es liegt nur an den Eltern, die meist in Opposition zur Bewegung stehen. Bei den älteren Mädchen des eigentlichen B.D.M. ist es ähnlich; die paar Mädchen machen jedoch regelmäßig ihren Dienst.“

Baum wird geladen...