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Ereignisse
1934
November

November 1934: Die Gestapo Köln berichtet für den Regierungsbezirk Köln

Rubrik „Katholische Bewegung“: „Im katholischen Lager zeigt sich allenthalben äußerste Aktivität. Es werden alle möglichen öffentlichen Veranstaltungen aufgezogen, um die katholischen Kräfte zu aktivieren. Dies geschieht meist mit sehr viel Feierlichkeit und Mystik. Jeder kleine kirchliche Anlass wird zu einer Glaubenskundgebung ausgestaltet. Die Aufnahme von Mitgliedern in katholische Standes- oder Jugendvereine geht unter vollem kirchlichen Prunk vor sich. Die aus solchem Anlass künstlich aufgezogenen Prozessionen nehmen in beachtlicher Weise zu. Die katholischen Geistlichen stehen wieder nahezu einheitlich und geschlossen in entschiedener Ablehnung abseits. Die Tatsache, dass die erwähnten Aktivierungshandlungen einheitlich und zu gleicher Zeit eingesetzt haben, lässt mit Sicherheit darauf schließen, dass die katholischen Geistlichen in dieser Hinsicht Befehle ihrer vorgesetzten Stellen befolgen. Die Kirchen sind ständig überfüllt. Auch an Prozessionen und kirchlichen Veranstaltungen betätigt sich die Bevölkerung, darunter auch die Männerwelt in einem Ausmaße, wie man es früher nicht gekannt und nicht für möglich gehalten hat. Nach außen hin dreht sich die gesamte Tätigkeit der katholischen Geistlichen und der katholischen Vereine um Rosenbergs „Mythos“ und um das sogenannte Neuheidentum. Man spricht vom Neuheidentum vielfach in einem Sinn, dass die Hörerschaft annehmen muss, die heutige Regierung würde der katholischen Kirche feindlich gegenüberstehen. Die Aktivierung der katholischen Bevölkerung im Sinne der katholischen Kirche ist inzwischen auch soweit fortgeschritten, dass die katholischen Geistlichen gar nicht mehr zweideutig zu sprechen brauchen, weil inzwischen viele ihrer Zuhörer von selbst wissen, wen die Geistlichen mit dem Neuheidentum meinen und treffen wollen. Jede, auch die kleinste Äußerung, die von parteiamtlicher Seite über Rosenbergs „Mythos“ erfolgt, wird von katholischer Seite gewissenhaft registriert und ausgeschlachtet. Als Beispiel hierfür sei nachfolgend ein Zitat aus der Katholischen Kirchenzeitung vom 25.11.1934 wiedergegeben, das sich mit der exponierten Stellung Rosenbergs im nationalsozialistischen Staat befasst. Dort heißt es:

‚Wie autoritativ er besonders von der Jugend gewertet wird, geht aus einer Äußerung hervor, die Baldur von Schirach am 5. November in Berlin tat. Es handelte sich um eine Kulturkundgebung der HJ.-Presse. Rosenberg selbst war zugegen und hatte führend bei dem vorhergegangenen achttätigen Schulungskursus dieser Presse mitgewirkt. Über die Schlusskundgebung berichtet das „Berliner Tageblatt“: „Baldur von Schirach erntete stürmischen Beifall, als er im Namen der Jugend die Versicherung gab, der Weg Rosenbergs sei auch der Weg der deutschen Jugend“. Der Redner fügte hinzu: „Ich vermag nicht einzusehen, warum es neben der Hitlerjugend noch konfessionelle Sonderbünde geben soll.“ Wenn der Rosenberg, den B. v. Sch. als Führer der Hitlerjugend proklamiert, auch nur einige Verwandtschaft mit dem Rosenberg des ‚Mythos‘ hat, dann braucht die Berechtigung dieser Sonderexistenz nicht lange nachgewiesen zu werden, abgesehen davon, dass sie durch das Konkordat für den katholischen Volksteil feierlich anerkannt ist. Wenn wir Rosenbergs Buch bekämpfen, dann tun wir das nicht nur aus apologetischen Gründen. Ebenso sehr leitet uns das Bestreben, einen Schatten aus dem deutschen Volksleben zu entfernen, der bis heute dem gläubigen Christen den Zugang zum neuen Staat erschwert. Wir bekämpfen auch den Schein, als ob die Zustimmung zu Rosenbergs religiösen Ideen einen Maßstab für die Eignung zur Mitarbeit abgeben könnte. Wir haben sogar die Hoffnung, dass Rosenberg selbst nach der vernichtenden Kritik, die sein Buch von Seiten der Fachwissenschaft gefunden hat, dieses Buch als unhaltbar aufgibt und zurückzieht. Einen besseren Dienst könnte er sich selbst, dem deutschen Ansehen, der Bewegung und der Volksgemeinschaft nicht leisten.‘

Im Berichtsmonat sind mehrere Klagen über die Veranstaltung von sogenannten Parallelversammlungen durch katholische Vereine eingelaufen, die gewollt oder ungewollt den zu gleicher Zeit stattfindenden nationalsozialistischen Versammlungen und Veranstaltungen die Besucher abspenstig machten. Ich bin in dieser Hinsicht beim Generalvikariat in Köln bereits vorstellig geworden. Aus einzelnen Gemeinden kommen auch Klagen über einen stillen Boykott solcher Geschäftsleute, die aktiv in der Bewegung tätig sind.

Ebenfalls hört man wieder Klagen über einen Missbrauch des Religionsunterrichts durch katholische Geistliche zum Zweck der Werbung für die katholischen Jugendorganisationen. In der katholischen Jugend und der katholischen Frauenschaft ist die Geistlichkeit besonders rührig. Es kann leider nicht geleugnet werden, dass sie auf diesem Gebiet schon beachtliche Erfolge gehabt und in manchen Orten die entsprechenden nationalsozialistischen Organisationen ziemlich ausgehöhlt hat.“

Rubrik „Die Bewegung und ihre Organisationen“: „Hitlerjugend: Die HJ. mit allen ihren Gliederungen gab im Berichtsmonat zu keinen Beanstandungen Anlass. Ihre Angehörigen verhielten sich korrekt und zurückhaltend. Bemerkenswert ist die opferfreudige Mitwirkung des Jungvolks bei dem Sammelwerk.

Nach einem mir vorliegenden Bericht hat der Staatsjugendtag zum Teil nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt, da noch nicht allenthalben geeignete Führer vorhanden sind. Teilweise sollen die der Staatsjugend angehörenden Kinder den Wunsch geäußert haben, sie bei dem schlechten Wetter lieber am staatspolitischen Unterricht teilnehmen zu lassen.“

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