August 1934: Die Gestapo Recklinghausen berichtet für den Regierungsbezirk Münster
„Das Hauptgewicht des politischen Interesses liegt bei den Methoden, mit denen die passive Ablehnung des Nationalsozialismus durch die Bevölkerungskreise und Organisationen zu überwinden ist, auf deren Mitwirkung und Eingliederung Staat und Bewegung bei der Verfolgung des Zieles der Volksgemeinschaft und der ideellen Befestigung der nationalsozialistischen Weltanschauung angewiesen sind. Die hier gemachten Erfahrungen haben gezeigt, dass die konfessionell gebundene Bevölkerung und die Kirche nicht mit staatlichen Macht- oder parteilichen Kampf- und Zwangsmitteln zu gewinnen sind. Kämpferische Einstellung vergrößert nur den Abstand zu diesen Kreisen und schließt die Gefahr in sich, dass aus den heutigen Zweiflern künftige Gegner werden.
Im Regierungsbezirk Münster steht noch ein sehr großer Teil der Bevölkerung dem Nationalsozialismus abwartend gegenüber. Ein Landrat meldet, dass in seinem Kreise von einer Verwirklichung des Gedankens der Volksgemeinschaft noch keine Rede sein könnte, die Bevölkerung stände sich vielmehr in einer noch nie beobachteten Zerrissenheit gegenüber. Selbst die Leiterin der NS-Frauenschaft für die Provinz Westfalen berichtet mir über eine große Beunruhigung in ihren Reihen, die anlässlich des Todes Klauseners der Konflikt zwischen dem politischen Bekenntnis und dem religiösen Gewissen auslöse. Es wird wichtig sein, die Mütter für die Bewegung zu gewinnen, dann' wird auch die HJ. leichteren Stand gegenüber der konfessionell gebundenen Jugend haben. Die Führerreife in der H.J. ist ein möglichst bald zu lösendes Problem. (…)
Im Berichtsmonat ist die H.J. wenig in Erscheinung getreten. Die Auswirkung meiner staatspolizeilichen Anordnung vom 23.6.1934 über die Betätigung konfessioneller Verbände hat eine Beruhigung in das Verhältnis der konfessionellen Jugendverbände zur H.J. gebracht, wenn auch die Einschränkung der sportlichen Tätigkeit der konfessionellen Verbände bei diesen einen inneren Widerspruch, im Besonderen in katholischen Kreisen der D.J.K. ausgelöst hat. Über das Verhältnis der Mitgliedschaft der evangelischen und katholischen Jugend zur H.J. habe ich nachstehende Feststellungen gemacht:
Es sind in die H.J. eingegliedert:
evgl.: kath.:
in Wessum 100% 14%
in Rhede 100% 65%
in Velen 80% 50%
in Anholt 100% 77%
in Coesfeld 98% 30%
in Nordkirchen 75% 77%
in Münster-Land 65% 50%
in Bocholt 89% 21%“